Der Tagesspiegel : Nie wieder Promi-Treffs

Einst war der Unternehmer Uwe Fenner in Potsdam ein angesehener Mann. Jetzt ist er ruiniert, obwohl ein Gericht ihn vom Vorwurf des Subventionsbetrugs freisprach. Nun will er die Landesbank verklagen

Michael Mara

Potsdam - Uwe Fenner hat sich einen großen Gegner ausgesucht. Der Unternehmer, dessen „Jahreszeiten-Gespräche“ im Potsdamer Ulmenhof einst Prominente in Scharen herbeilockten, will die mächtige Landesinvestitionsbank (ILB) verklagen: und zwar „auf vier Millionen Euro Schadensersatz“. Der 61-Jährige, der derzeit „so bescheiden wie nie“ in der Wohnung eines Freundes lebt, sagte dem Tagesspiegel: „Ich bereite die Klage gegenwärtig vor. Vier Millionen – das ist der materielle Schaden, der mir durch die ILB entstanden ist.“ Eine vergleichbare Forderung auf Schadensersatz gegen ein öffentliches Institut hat es in Brandenburg noch nicht gegeben.

Fenner macht die Landesbank, deren Verwaltungsrats-Vorsitzende die brandenburgische Finanzministerin Dagmar Ziegler (SPD) ist, für seinen wirtschaftlichen Ruin verantwortlich. Denn sie habe die Ermittlungen gegen ihn wegen Verdachts des Subventionsbetruges „wider besseres Wissen“ in Gang gesetzt. „Der unbegründete Vorwurf hat meinen Ruf ruiniert und mir wirtschaftlich das Genick gebrochen“, klagt Fenner, der nicht nur seine Firmen, sondern auch sein Vermögen verloren hat. Kaum einer habe mit ihm, dem angeblichen Subventionsbetrüger, noch Geschäfte machen wollen, alle hätten sich abgewandt. „Nachdem mich das Potsdamer Amtsgericht im Mai dieses Jahres freigesprochen hat, muss die ILB jetzt Wiedergutmachung leisten“, verlangt Fenner.

Die Landesbank sieht keinen Anlass für Wiedergutmachung. Man sehe der Klage mit großer Gelassenheit entgegen, kommentiert Sprecher Matthias Haensch. Nach dem brandenburgischen Subventionsgesetz habe die ILB bei Verdachtsmomenten der zuständigen Staatsanwaltschaft Mitteilung zu machen. Deren Ermittlungen hätten den Verdacht bestätigt und zur Anklage geführt. Im Übrigen sei das Freispruch-Urteil nicht rechtskräftig, da die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt habe. Offenbar geht die ILB davon aus, dass das Landgericht in zweiter Instanz den Freispruch aufheben wird.

Allerdings: Der Richter des Amtsgerichts stellte der ILB kein besonders gutes Zeugnis aus. Der schwer wiegende Vorwurf des Subventionsbetruges stützte sich darauf, dass Fenner geförderte Räume im Firmensitz seiner damals bereits angeschlagenen Midat AG am Jungfernsee mehrmals für Events an Dritte „vermietet“ hat. Die Förderauflagen schlossen „Vermietungen“ jedoch ausdrücklich aus. Pikant: Für den Richter des Potsdamer Amtsgerichts lag keine Vermietung im klassischen Sinne vor, da diese die „Alleinherrschaft über eine Sache“ voraussetzt. Er monierte auch, dass die ILB, obwohl über die Event-Pläne informiert, Fenner nie auf die Strafbarkeit hingewiesen und auch Fördermittel nicht zurückgefordert habe.

Aber wie immer es auch weitergeht – für Fenner hat die ILB mit ihrem „formalistischen Vorgehen und falschen Entscheidungen“ gegen ihren Förderauftrag verstoßen. Sie habe seine Existenz und zahlreiche Arbeitsplätze vernichtet. Seinen einstigen Firmensitz Ulmenhof, den die Gläubiger-Bank verkaufen will, hat Fenner noch nicht abgeschrieben. Er möchte ihn mit Hilfe von Anlegern erwerben, um dort das zu tun, was die ILB verweigern wollte: nämlich Seminare und Events für Führungskräfte zu veranstalten. Die Hälfte des Kaufpreises von 2,2 Millionen Euro haben ihm die Anlieger bereits in Aussicht gestellt.

Nur Promi-Events, etwa einer Neuauflage seiner Jahreszeiten-Gespräche, kann Fenner derzeit nichts abgewinnen. Er habe während der vergangenen Monate zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich fast alle seine früheren prominenten Gäste während des Verfahrens von ihm abgewandt hätten: „Jetzt bin ich gleichgültiger gegenüber Prominenten-Kontakten.“

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