Niederfinow : Riesenfahrstuhl für moderne Pötte

In Niederfinow entsteht ein neues Schiffshebewerk. Es ist das größte Bauprojekt nach dem Airport BBI.

Claus-Dieter Steyer
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Hallo, alter Nachbar! Neben dem Schiffshebewerk entsteht für 285 Millionen Euro der Neubau. Das alte Stahlskelett, das 75 Jahre...

Niederfinow – Irgendwann kommt auch für ein technisch perfektes Meisterwerk die Zeit des Ruhestandes. Für das Schiffshebewerk Niederfinow wird er 2014 eingeläutet – 80 Jahre nach seiner Inbetriebnahme am Oder-Havel-Kanal, rund 60 Kilometer nordöstlich Berlins gelegen. Bis dahin entsteht in direkter Nachbarschaft ein neuer Schiffsfahrstuhl.

Für das Bauwerk legten am Montagnachmittag unter der Teilnahme hunderter Schaulustiger Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) den Grundstein. 285 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt werden in dem mehrfach verschobenen und unter einer Kostenexplosion leidenden Projekt verbaut. Nur der Schönefelder Flughafen kostet mehr Geld in Brandenburg. Auch im übrigen Osten sucht man eine vergleichbare Größenordnung vergeblich. „In diesen manchmal so depressiv anmutenden schwierigen Zeiten geben wir nicht zuletzt ein Signal voller Hoffnung“, sagte Platzeck. 200 Jobs entstehen auf der Baustelle.

Der Ruhestand bedeutet aber kein Abriss der „guten alten Dame“, wie Minister Tiefensee das am 21. März 1934 eröffnete Hebewerk nannte. „Es steht unter Denkmalschutz und bleibt als Reserve bis nach der Eröffnung des Neubaus und für den Tourismus in Betrieb.“ Mit jährlich 150 000 Besuchern gehört das stählerne Monstrum zu den größten Touristenattraktionen Brandenburgs.

Es kann aber die Anforderungen der wachsenden Binnenschifffahrt auf der Strecke zwischen dem Rhein-Ruhr-Gebiet, Magdeburg, Berlin und Stettin nicht mehr erfüllen. Große Schiffe, die hier vor allem Kohle, Metall, Schrott, Düngemittel und Baumaterialien transportieren, passen nicht in den Trog. Dieser ist auf eine Schiffslänge von 75 Metern ausgelegt, während die modern Kähne auf 110 Meter kommen. Statt 27 Container können die größeren Schiffe mehr als 100 befördern. Einbahnverkehr und lange Wartezeiten haben das alte Niederfinower Wahrzeichen zu einem Nadelöhr auf dem Weg zwischen Berlin und dem Ostseehafen in Stettin gemacht.

Genau wie im alten Hebewerk, das als die älteste noch in Betrieb befindliche Anlage Deutschlands gilt, überwinden die Schiffe einen Höhenunterschied von 36 Metern. Die Landschaft lässt keine andere Wahl zu. Als vor gut 100 Jahren der jetzige Kanal zwischen der Havel im Westen und der Oder im Osten eröffnet wurde, mussten die Schiffe noch eine vierstufige Schleusentreppe in Kauf nehmen. Erst das zu jener Zeit höchste Schiffshebewerk brachte eine wesentliche Zeitersparnis. Die alte Schleusentreppe ist längst abgerissen worden.

Mit seinen Dimensionen dürfte auch das neue Bauwerk auf großes Interesse stoßen. Mit einer Länge von rund 130 Meter und einer Höhe von 60 Metern ist es ohnehin nicht zu übersehen. Wird der Trog mit Wasser gefüllt, wiegt er 9 000 Tonnen. Gegengewichte und vier Maschinen bewegen dieses Wasserbecken.

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