Der Tagesspiegel : Niederlande: Sterbehilfe wird weniger in Anspruch genommen

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Den Haag - Fünf Jahre nach der Liberalisierung der Sterbehilfe in den Niederlanden verlangen deutlich weniger leidende Menschen den erlösenden Tod als zuvor. Im Jahr 2005 ließen laut einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht 2325 Patienten ihr Leben durch einen Arzt beenden. Im Jahr 2001, also im Jahr vor der heftig diskutierten Gesetzesänderung, gab es 3500 bekannt gewordene Fälle.

Erklärten damals 34 700 Niederländer ihren grundsätzlichen Wunsch nach Sterbehilfe, so waren dies 2005 noch 28 600. Die Zahl derjenigen, die Sterbehilfe „in absehbarer Zeit“ wünschten, ging von 9700 auf 8400 zurück.

Seit dem in Kraft treten des Gesetzes im April 2002 dürfen Ärzte unter bestimmten Voraussetzungen Sterbehilfe leisten. Insbesondere muss der Patient darum gebeten haben. Jeder Fall muss anschließend einer Kontrollkommission gemeldet werden, die im Nachhinein die Beachtung der Vorschriften überprüft. Experten schätzen, dass etwa 80 Prozent aller Fälle tatsächlich gemeldet werden. In vielen nicht gemeldeten Fällen seien sich die Ärzte nicht bewusst gewesen, dass ihr Handeln juristisch eine Sterbehilfe war.

Niederländische Ärzte leisten auch weniger legale Hilfe zur Selbsttötung als vor der Liberalisierung des Gesetzes: Die Zahl der Fälle ging von 300 auf 100 zurück. Stark zugenommen hat dagegen der Einsatz von Mitteln, die starke Schmerzen lindern, aber auch einen schnelleren Tod herbeiführen können. Die Zahl dieser Fälle stieg von 29 000 auf 33 700, was ein Viertel aller Todesfälle bedeutete. Die Kommission empfiehlt, ausdrücklich klarzustellen, dass es dabei nicht um lebensbeendende Maßnahmen geht. Außerdem wird inzwischen viel mehr von Beruhigungsmitteln Gebrauch gemacht, die zur Bewusstlosigkeit führen. Bei dieser so genannten palliativen Sedierung fällt der Patient in ein Koma und wird nicht mehr künstlich ernährt, so dass er bald stirbt.

Das niederländische Gesetz zur Liberalisierung der Sterbehilfe hat nach dem Urteil der Kommission für Rechtssicherheit sowie ausreichende Transparenz und Kontrolle gesorgt. dpa