Der Tagesspiegel : Niemand will die Chipfabrik-Ruine

Experten vermissen wichtigste Voraussetzung für eine Hightech-Ansiedlung: Es fehlen staatliche Förderzusagen

Michael Mara

Potsda m/Frankfurt (Oder). Das Rätselraten um die Zukunft der gescheiterten Chipfabrik in Frankfurt (Oder) geht weiter: Kann dort womöglich ein neues Hightech-Unternehmen angesiedelt werden? Oder muss die Investitionsruine abgerissen werden? Derzeit ist die im Rohbau fertiggestellte Fabrik, in die ein dreistelliger Millionenbetrag floss, das größte Sorgenkind des Frankfurter Oberbürgermeisters Martin Patzeld (CDU). Er wisse nicht, was die Communicant AG mit der Halle vor habe, sagte Patzeld auf Anfrage. Das Unternehmen schotte sich ab. Auch Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) kann nicht sagen, wie es weiter geht, obwohl das Land Brandenburg an dem Chip-Unternehmen beteiligt ist.

Hinter den Kulissen von Communicant gibt es jedoch ein heftiges Tauziehen um die Vermarktung des Beton-Kolosses. Auf der turbulenten Aktionärsversammlung am 16. Februar, die sich bekanntlich nicht über die Form der Abwicklung des gescheiterten 1,3-Milliarden-Projektes einigen konnte, war die Halle ein Zankapfel. Die Aktionärsgruppe GSMC-Planning konnte sich mit ihrem Antrag nicht durchsetzen, die Vermarktung selbst zu übernehmen.

Andererseits ist Vorstandschef Abbas Ourmazd bisher in seinem Bemühen nicht weitergekommen, einen potenten Investor für die Fabrik zu finden. Im Gegenteil – nach Informationen des Tagesspiegels hat es ein führenden Beratungsunternehmen der Welt für neue Halbleiterplattenwerke jetzt abgelehnt, ein von Communicant erbetenes Vermarktungs-Angebot zu unterbreiten. Die Experten sehen zwei Voraussetzungen nicht erfüllt, um ein Hochtechnologieunternehmen an dem Standort anzusiedeln: Erstens müsse es wie überall auf der Welt staatliche Förderzusagen geben. Doch damit ist nach Ansicht der Beraterfirma nicht zu rechnen, solange der umstrittene Communicant-Vorstandschef Abbas Ourmazd die Fäden in der Hand hält. Zweitens halten die Experten einen detaillierten Businessplan für erforderlich, der potenziellen Investoren die wirtschaftlichen Vorteile einer Hightech-Ansiedlung in Frankfurt (Oder) detailliert nachweist. Ohne staatliche Förderzusagen sei ein solcher Plan aber nichts wert.

Nach Ansicht der Beraterfirma ist deshalb zu erwarten, dass der kostspielige Rohbau zu einem symbolischen Preis veräußert wird, falls sich überhaupt jemand findet, der das sehr spezielle, für die Chipproduktion errichtete Gebäude übernimmt. Auch in der Landesregierung traut man Ourmazd nicht zu, ein neues High-Tech-Unternehmen nach Frankfurt (Oder) zu holen. Ein Misstrauensantrag mit dem Ziel seiner Ablösung scheiterte jedoch auf der jüngsten Aktionärsversammlung. Ourmazd genießt nach wie vor die Unterstützung des Emirats Dubai und des US-Chipherstellers Intel, die zusammen die Mehrheit der Aktien halten.

Pikant am Rande: Nach den ursprünglichen Verträgen soll Communicant angeblich das Eigentumsrecht an dem Grundstück, auf dem die leere Halle steht, verlieren, wenn dort keine High-Tech-Fabrik entsteht.

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