Nordirak : USA warnen die Türkei

Der Konflikt zwischen der Türkei und den USA um einen möglichen Einsatz des türkischen Militärs im Nordirak spitzt sich zu. Die USA sprachen erneut eine deutliche Warnung an die Türken aus, von einer Intervention abzusehen.

WashingtonDie USA haben die Türkei erneut vor einem Militärschlag gegen kurdische Rebellen im Nordirak gewarnt. Die US-Regierung lehne "einseitige militärische Maßnahmen" der Türkei ab, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Tom Casey. Er reagierte damit auf eine Ankündigung der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, wonach das Kabinett die Zustimmung des Parlaments für einen grenzüberschreitenden Militärschlag gegen die Rebellen sucht. Die USA würden mit der Türkei und dem Irak zusammenarbeiten, um eine Lösung zu suchen. "Wir möchten die Türken ermuntern, in dieser Frage Zurückhaltung zu üben", sagte Casey.

Nur Stunden zuvor hatte der türkische Regierungssprecher Cemil Cicek bekannt gegeben, dass das Kabinett sich um parlamentarische Rückendeckung für ein militärisches Vorgehen bemüht. Eine solche Genehmigung solle zunächst für ein Jahr gelten. Der Regierung gehe es darum, "das Blutvergießen zu beenden", sagte der Sprecher in Ankara. "Wir hoffen aber, dass wir keinen Gebrauch (von der Ermächtigung) machen müssen."

Bei jüngsten Anschlägen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei (PKK) in der Türkei sind nach Angaben aus Ankara innerhalb von zwei Wochen mehr als zwei Dutzend Soldaten und Zivilisten getötet worden worden. Dadurch hatte der öffentliche Druck auf Erdogan erheblich zugenommen. Das Parlament in Ankara wird voraussichtlich noch in dieser Woche über den Abtrag der Regierung beraten. Die Zustimmung gilt als sicher.

Ein Militärschlag richte sich nicht gegen den Irak

Regierungssprecher Cicek bekräftigte, dass die PKK-Lager im Nordirak das "einzige Ziel" eines eventuellen Militärschlages seien. Dieser sei nicht gegen den Irak gerichtet. "Das irakische Volk sind unsere Brüder." Nach Schätzungen der türkischen Armeeführung haben in den nordirakischen Bergen rund 3500 Rebellen Unterschlupf gefunden, von wo aus sie Angriffe auf die Türkei verüben.

Die US-Regierung, die nach Auffassung der türkischen Führung zu wenig gegen die PKK im Nordirak unternimmt, hat Ankara bereits zuvor mehrfach zur Zurückhaltung aufgerufen, um eine zusätzliche Destabilisierung in der Region zu vermeiden. Dem fünfzehnjährigen Guerillakrieg der PKK im Südosten der Türkei waren von 1984 bis 1999 rund 35.000 Menschen zum Opfer gefallen. Die PKK wird von den USA und der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft. (mit dpa)