Nordkorea : Atomanlagen sollen stillgelegt werden

Inspekteure der Internationalen Atomenergie- Organisation IAEO werden möglicherweise bereits in der kommenden Woche mit der Stilllegung und Überwachung der nordkoreanischen Atomanlagen beginnen.

WienInspekteure der Internationalen Atomenergie- Organisation IAEO werden möglicherweise bereits in der kommenden Woche mit der Stilllegung und Überwachung der nordkoreanischen Atomanlagen beginnen. Der Gouverneursrat der Wiener Atombehörde stimmte einem entsprechenden Antrag seines Generaldirektors, Mohammed Al Baradei, zu. Nach einer offiziellen Einladung aus Pjöngjang könnten die Wiener Experten "in einer oder zwei Wochen" mit der Arbeit beginnen.

Die Schließung der Atomanlagen in Yongbyon könne in einigen Tagen beendet werden. "Doch dann müssen noch die (Überwachungs-)Kameras und andere Ausrüstung installiert werden", kündigte Al Baradei an. Nordkorea hatte im Februar dieses Jahres zugestimmt, sein umstrittenes Atomprogramm zu stoppen und die fünf wichtigsten Atomanlagen abzuschalten. Vier dieser Anlagen stehen in Yongbyon. Die IAEO-Experten waren im Dezember 2002 aus Nordkorea ausgewiesen worden. Im Januar 2003 trat Pjöngjang aus dem Atomwaffensperrvertrag aus.

Entsorgung von Atomwaffen

Die IAEO steht in Korea vor bisher einmaligen Herausforderungen. Dazu gehören die Abschaltung des Atomreaktors Yongbyon sowie die mögliche Entsorgung von nordkoreanischen Atomwaffen. Die Atombehörde benötigt nach Angaben Al Baradeis allein für diese Aufgabe in diesem Jahr zusätzliche Mittel von 1,7 Millionen US-Dollar, an denen sich die US-Regierung mit 500.000 Dollar beteiligen will. Der Technische Direktor der IAEO, Olli Heinonen, war erstmals Ende Juni nach Pjöngjang gereist, um Einzelheiten der IAEO-Kontrollen zu klären.

Diplomaten in Wien begrüßten die jüngsten Vereinbarungen. Die Abschaltung des Atomreaktors Yongbyon sowie die Überwachung der übrigen Atomanlagen durch die IAEO sei "ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer atomwaffenfreien Zone auf der koreanischen Halbinsel", sagte US-Botschafter Greg Schulte. Nordkorea hatte im Oktober 2006 erstmals unterirdisch eine Atomwaffe getestet.

Al Baradei kritisiert zu geringes Budget

Offen kritisierte Al Baradei das Verhalten einiger - von ihm nicht genannter - Mitglieder des IAEO-Gouverneursrats, die das Budget der Atombehörde trotz ausgeweiteter Kontrollaufgaben nur um 4,2 Prozent aufstockten. Unter diesen Mitgliedsländern ist auch Deutschland, das der IAEO ursprünglich nur einen Inflationsausgleich von 2,8 Prozent zugestehen wollte. Im laufenden Finanzjahr hat die Behörde knapp 380 Millionen Dollar zur Verfügung.

Al Baradei betonte, allein für die technische Aufrüstung der Agentur müssten in den nächsten Jahren 150 Millionen US-Dollar ausgegeben werden. "Wir müssen wissen, was wir wollen", warnte der IAEO-Chef. "Wenn wir vor der Irak-Krise genug investiert hätten, hätten wir Milliarden Dollar sparen können. Und auch wenn wir vor (dem Atomunfall von) Tschernobyl genug investiert hätten, hätten wir Milliarden gespart." (mit dpa)