Nordkorea : Raketentest bei Inspekteursbesuch

Während eine Delegation internationaler Atominspekteure zum ersten Mal seit fünf Jahren Nuklearanlagen in Nordkorea bereist, wurde im Rahmen von Militärübungen angeblich eine Testrakete abgefeuert.

Nordkorea
Nuklearanlagen in Yongbyon: Internationale Atominspekteure sind auf dem Weg. -Foto: dpa

Pjöngjang/SeoulNordkorea hat mit einem neuen Raketentest international Besorgnis ausgelöst. Der Test erfolgte während des Nordkorea-Besuches internationaler Atominspekteure, die erstmals seit ihrer Ausweisung aus dem kommunistischen Land vor fünf Jahren wieder zu den umstrittenen Nuklearanlagen in Yongbyon fahren konnten. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Regierungsbeamte in Seoul, Nordkorea habe am Mittwoch eine Testrakete abgefeuert. Das Geschoss mit einer Reichweite von 100 Kilometern sei im Japanischen Meer niedergegangen. Es sei wie andere Tests in den vergangenen Wochen ein Teil von Militärübungen gewesen.

Die USA zeigten sich "tief beunruhigt", wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Hinweis auf den Nationalen Sicherheitsrat in Washington meldete. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe rief Nordkorea zur Aufgabe seines Raketenprogramms auf. Unterdessen reiste die vierköpfige Delegation der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) in Nordkorea zur Atomeinrichtung im 130 Kilometer von der Hauptstadt Pjöngjang entfernt gelegenen Yongbyon, um Details der vereinbarten Schließung des Reaktors zu diskutieren.

Erprobung neuer Raketen

IAEO-Vizedirektor Olli Heinonen sagte der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, die Inspekteure wollten an diesem Freitag nach Pjöngjang zurückkehren. Die Delegation verhandelt seit Dienstag über das Verfahren zur Stilllegung der Atomeinrichtungen von Yongbyon, mit der die Vereinbarung in den Sechs-Länder-Gesprächen vom Februar erfüllt werden soll. Nach dem Abkommen zwischen Nordkorea, den USA, China, Südkorea, Japan und Russland winken dem verarmten Norden Koreas im Gegenzug für die Schließung und Beseitigung seines Atomwaffenprogramms Energie- und Wirtschaftshilfen.

Das südkoreanische Verteidigungsministerium konnte den Raketentest zunächst nicht bestätigen, wie ein Sprecher in Seoul sagte. In einer Erklärung des Ministeriums hieß es aber, die vorhergegangenen Tests hätten der Erprobung neuer Raketen gedient. Die Raketen, die Nordkorea zuletzt vor der West- und Ostküste abgefeuert habe, seien Boden- und Schiffszielraketen mit Reichweiten von etwa 100 Kilometer gewesen. Die Raketen befänden sich in der Entwicklungsphase und seien noch nicht stationiert worden. Nordkorea hatte nach südkoreanischen Militärangaben am 25. Mai mindestens eine Kurzstreckenrakete über dem Japanischen Meer und am 7. Juni zwei Raketen über dem Gelben Meer getestet. (mit dpa)