Der Tagesspiegel : Note fünf für jede fünfte Berliner Schule

Ergebnis der jüngsten Überprüfung / Senat will Rektoren besser qualifizieren

Susanne Vieth-Entus

Berlin - Langweiliger Unterricht, schlechte Führung, keine Kommunikation: Das sind die Defizite, unter denen in Berlin fast jede fünfte Schule leidet, wie am Montag der neue Bericht zur Inspektion von 150 Schulen offenbart hat. Als Konsequenz stellte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) ein Qualifizierungskonzept für Schulleiter vor. Die Grünen forderten zusätzlich eine „Fort- und Weiterbildungsoffensive“ auch für Lehrer.

Die Schulen wurden 2006/07 inspiziert. Insgesamt attestierten die Prüfer nur 19 von ihnen „ein deutlich positives Qualitätsprofil“. Bei 97 Schulen gab es zwar positive Ansätze, allerdings auch etliche Fehlentwicklungen. In der Schlussgruppe der 28 schwächsten befinden sich wiederum sechs, die derart große Probleme haben, dass sie innerhalb von zwei Jahren erneut inspiziert werden müssen. Die Ergebnisse sind anonymisiert. Regulär beträgt der Abstand zwischen den Inspektionen fünf Jahre. Da pro Jahr nur etwa 150 Schulen inspiziert werden können, dauert es noch bis 2010/11, bis alle Schulen erreicht sind.

„Die Ergebnisse bestätigen meinen Eindruck von der Qualität der großen Mehrzahl, aber auch den Nachholbedarf einer immer noch viel zu großen, wenn auch Minderheit von Berliner Schulen“, sagte Zöllner. Es sei zudem deutlich geworden, dass den Schulleitern eine entscheidende Aufgabe bei der Entwicklung der Bildungseinrichtung zukomme. Deshalb werde für sie bis Ende des Jahres ein umfassendes Qualifizierungskonzept erarbeitet, das eine professionelle Vorbereitung auf die Schulleitungstätigkeit beinhalte. Neue Schulleiter erhalten überdies noch einen erfahrenen Schuleiter als Mentoren an die Seite. Damit sich überhaupt geeignete Kräfte für Schulleitungsposten interessieren, soll stärker für diese Aufgabe geworben werden.

Zöllner wies darauf hin, dass es nach den Ergebnissen der Schulinspektionen keinen Unterschied macht, ob es sich um eine Hauptschule oder ein Gymnasium handelt. Auch spiele der Standort keine Rolle.

Die Berliner FDP-Bildungspolitikerin Mieke Senftleben kritisierte, es genüge nicht, den Schulleitern eine entscheidende Aufgabe bei der Entwicklung der Bildungseinrichtungen zuzusprechen. Es fehlten die Unterstützung und konkrete Hilfe vor Ort. Zöllner müsse deshalb unverzüglich Teams in die betroffenen Schulen schicken, um vor Ort Zielvereinbarungen zur Qualitätsverbesserung zu formulieren. Bislang gibt es nur ein kleines Team von vier Kräften, die sich um die größten Problemfälle kümmern.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sascha Steuer, kritisierte übereinstimmend mit dem Landeselternausschuss, dass Zöllner den Inspektionsbericht sechs Monate unter Verschluss gehalten habe. Dadurch sei viel Zeit vergeudet worden. Özcan Mutlu von den Grünen forderte größere Anstrengungen für die Fortbildung der Lehrer. Ihnen war von den Inspektoren große Defizite in methodischer und fachlicher Hinsicht bescheinigt worden.

Der Bericht im Internet unter www.berlin.de/sen/bwf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben