Der Tagesspiegel : NPD nutzt Sextäter-Streit für Demo

Haidy Damm

Joachimsthal - Etwa 70 Neonazis zogen gestern durch Joachimsthal, Anlass für ihren Aufmarsch war der Streit um den dort wohnenden Sexualstraftäter Werner K. Der NPD schlug dabei überwiegend Ablehnung entgegen. „Die nutzen das doch nur für ihre Propaganda, die wollen uns doch gar nicht helfen“, sagte etwa das Ehepaar Jahn. Beide sind zwar auch dafür, dass Werner K. weggesperrt wird, aber mit den Neonazis wollen sie nichts zu tun haben. Dennoch: Sie fühlen sich allein gelassen von denen da oben.

Wie berichtet, hatte K. seine Haftstrafen abgesessen. Einen nachträglichen Antrag auf Sicherungsverwahrung hatte der Bundesgerichtshof wegen Rechtsfehlern abgelehnt, ein Therapieplatz wurde bislang nicht gefunden.

Von der Empörung darüber will die NPD profitieren. Es sei Zeit zu handeln, schallte es aus dem Lautsprecherwagen. Einige am Straßenrand klatschten, andere waren empört. „Unglaublich, dass diese Faschisten hier herumlaufen dürfen“, schimpfte eine ältere Dame. Die NPD indes bot der Bevölkerung an, sie mit einer Bürgerwehr zu unterstützen. Ein Vorschlag, den die Bürgerinitiative „Nachbarschaftliche Solidargemeinschaft“ ablehnt, auch wenn sie den Aufenthalt von Werner K. im Ort so schnell wie möglich beenden will. Deren Sprecher Peter Brobowski sagte, die Neonazis neigten ja dazu, unbemerkt zu infiltrieren.

In die Kirche kam er aber nicht. Hier trafen sich rund 150 Bürger, um ein Zeichen gegen den Aufmarsch zu setzen. „Unsere Nachricht ist deutlich, wir wollen hier keine Nazis“, sagte Beatrix Spreng, Pfarrerin der Gemeinde. Haidy Damm

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