NS-Verbrechen : Demjanjuk soll am Dienstag eintreffen

Der mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk wird an diesem Dienstag in Deutschland erwartet. Der Abschiebung aus den USA ging ein juristisches Tauziehen vorraus.

BerlinWie ein Sprecher des Bundesjustizministeriums bestätigte, wird er im Laufe des Tages in Deutschland eintreffen. Geplant ist, dass er von Cleveland nach München geflogen wird. Die Organisation der Abschiebung liege in der Verantwortung der USA, bis Demjanjuks Flugzeug auf deutschem Boden aufsetzt.

Gegen die Abschiebung hat sich der 89jährige bis zuletzt juristisch gewehrt - zunächst mit Hinweis auf seinen schlechten Gesundheitszustand. Seine Anwälte verklagten zudem Deutschland mit dem Argument, die Abschiebung umgehe geltendes Recht. Eigentlich müsse Deutschland eine Auslieferung verlangen, kritisierten die Anwälte. In Deutschland droht dem mutmaßlichen NS-Verbrecher nun ein Gerichtsverfahren.

Die Münchener Staatsanwaltschaft wirft dem gebürtigen Ukrainer Beihilfe zum Mord an 29.000 Juden im Konzentrationslager Sobibor im von Deutschland besetzten Polen vor. Als wichtigstes Beweismittel der Ankläger gilt ein Dienstausweis der SS. Das Dokument beweist, dass Demjanjuk von März bis September 1943 in Sobibor zur Wachmannschaft gehörte. Experten aus den USA und aus Bayern bestätigten die Echtheit des Ausweises.

Mögliche Opfer sind nicht mehr am Leben oder konnten von den Ermittlern nicht gefunden werden. Da ihm deshalb wohl keine Straftat direkt nachgewiesen werden kann, lautet die Anklage auf Beihilfe zum tausendfachen Mord. Der Beschuldigte selbst bestreitet allerdings, an dem ihn zu Last gelegten Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein. Es liege eine Verwechslung vor.

Demjanjuk stand bereits in Israel vor Gericht und wurde in erster Instanz zum Tode verurteilt, dann jedoch wieder freigesprochen. Da die USA ihm bereits die Staatsangehörigkeit entzogen haben, könnte der gebürtige Ukrainer zügig abgeschoben werden. Die bayerische Justiz ist zuständig, weil Demjanjuk sich nach dem Zweiten Weltkrieg einige Zeit in einem Lager bei Feldafing interniert war. (mm/dpa)