NSDAP-Mitglieder : Drängen Promi-Namen NS-Verbrechen in den Hintergrund?

Der Freiburger Historiker Ulrich Herbert hat die Veröffentlichung von Namen Prominenter kritisiert, die kurz vor Kriegsende als 16-Jährige Mitglied der NSDAP geworden sein sollen. Er warnt vor einer Boulevardisierung des Themas.

Berlin/FreiburgDer Freiburger Historiker Ulrich Herbert hat die Veröffentlichung von Namen Prominenter kritisiert, die kurz vor Kriegsende als 16-Jährige Mitglied der NSDAP geworden sein sollen. "Man gewinnt den Eindruck, dass über die Verbreitung von eher banalen Verdächtigungen 16-jähriger Jungen die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Geschichte des NS-Staates auf die Ebene von Prominentenenthüllungen der Klatschpresse gehoben wird", sagte Herbert im Deutschlandradio Kultur.

Durch "irgendwelche lächerlichen Geschichten mit HJ-Jungs" würden die wirklichen Verbrechen der NS-Zeit in den Hintergrund treten. Herbert betonte: "Das bringt das Ganze auf eine Ebene, die der Größenordnung, der Bedeutung und auch dem Andenken der Opfer gegenüber nicht angemessen ist. Das empfinde ich als beschämend."

Eine Aufklärung über die wirklichen Umstände, die zu der angeblichen NSDAP-Mitgliedschaft geführt hatten, werde es nicht geben können, sagte Herbert. Über die letzte Kriegsphase gebe es zu wenig Unterlagen. "Allerdings", erklärte der Historiker, "wir haben bisher kein einziges positives Beispiel gefunden, wo ohne Unterschrift tatsächlich eine Mitgliedschaft entstanden ist." (mit dpa)