Nürnberg : Tschingis Aitmatow ist tot

Der kirgische Schriftsteller Tschingis Aitmatow starb mit 79 Jahren nach längerem Krankenhausaufenthalt an einer Lungenentzündung. Der weltbekannte Autor war auch als Botschafter im Ausland aktiv.

Autor Aitmatow
Tschingis Aitmatow. Der kirgisische Autor starb mit 79 Jahren an einer Lungenentzündung. -Foto: dpa

NürnbergDer weltweit bekannte Schriftsteller Tschingis Aitmatow ("Dshamilja") ist tot. Der 79-Jähriger starb nach Angaben des Klinikums Nürnberg am Dienstagnachmittag an den Folgen einer schweren Lungenentzündung, die schließlich zu einem Lungenversagen führten. Aitmatow hatte Mitte Mai einen Schwächeanfall erlitten, als er mit einem Filmteam im Wolgagebiet, 800 Kilometer östlich von Moskau, unterwegs war. Nach einer Erstbehandlung in der russischen Stadt Kasan war der an Diabetes leidende Aitmatow auf Anraten der Mediziner vor drei Wochen ins Klinikum nach Nürnberg geflogen worden. Dort hatte er auf der Intensivstation gelegen, nachdem zur Lungenentzündung auch noch Nierenversagen gekommen war. Aitmatov wurde seither von Spezialisten intensiv behandelt und in ein künstliches Koma versetzt.

Aitmatow wurde am 12. Dezember 1928 im kirgisischen Dorf Scheker im heutigen Grenzgebiet zu Kasachstan geboren. Der Schriftsteller hatte seinen internationalen Durchbruch 1958 mit der Erzählung "Dshamilja", die er als Abschlussarbeit am Moskauer Gorki-Literaturinstitut geschrieben hatte. In den 1970er Jahren löste sich der zweisprachig kirgisisch und russisch aufgewachsene Autor zunehmend von der staatlich propagierten Poetik des Sozialistischen Realismus. Er eröffnete dem Leser eine faszinierend fremde Welt, indem er in seine Erzählungen immer wieder auch mythische Zitate seiner kirgisischen Heimat einarbeitete. Aitmatow brachte in seinem Werk aber auch soziale Konflikte und politische Themen zur Sprache. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit war er viele Jahre Botschafter im Ausland.

Treue Leserschaft auch in Deutschland

In Deutschland verfügte Aitmatow seit Jahrzehnten über eine treue Leserschar. In den Schulen der DDR war seine Liebesgeschichte "Dshamilja" Pflichtlektüre. Auf einer Lesereise hatte Aitmatow 2007 mit seinem Roman "Der Schneeleopard" viele Städte in Deutschland und der Schweiz besucht. Auf der Leipziger Buchmesse war Aitmatow im vergangenen Jahr von dermaßen vielen Lesern mit Autogrammwünschen bedrängt worden, dass er in einen Nebenraum in Sicherheit gebracht werden musste. Auch in seiner Heimat Kirgistan erfuhr Aitmatow große Bewunderung. Die zentralasiatische Republik rief 2008 mit Blick auf den 80. Geburtstag ihres berühmtesten Sohns zum Aitmatow-Jahr aus. Zu Ehren des Autors will die ehemalige Sowjetrepublik zudem einen Aitmatow-Nationalpreis stiften, der herausragenden Vertretern der kirgisischen Kultur überreicht werden soll. (kda/dpa)