Nukleare Bedrohung : Geheimprogramm: USA sichern pakistanische Atomwaffen

Besteht die Gefahr, dass islamistische Extremisten in Pakistan Kontrolle über Atomwaffen erlangen? Jetzt wurde bekannt, das Washington heimlich die Sicherung der Waffen betreibt. Intern gibt es immer heftigere Zweifel, ob die Maßnahmen ausreichen.

Washington/Islamabad Die USA haben einem Medienbericht zufolge Pakistan mit einem Geheimprogramm dabei unterstützt, seine Atomwaffen vor islamischen Extremisten zu sichern. Dafür habe Washington Gelder in Höhe von 100 Millionen Dollar (68 Millionen Euro) bereitgestellt, die in einem Finanzposten des Bundesetats "versteckt" worden seien, berichtete die "New York Times". Allerdings gebe es in Washington zunehmend Zweifel, ob die Maßnahmen im Falle eines Sturzes von Militärmachthaber Pervez Musharraf tatsächlich ausreichten. US-Vizeaußenminister John Negroponte forderte Musharraf unterdessen zur Aufhebung des Ausnahmezustands noch vor der Parlamentswahl im Januar auf.

Pakistan verfügt nach Schätzungen über etwa 50 Atomsprengköpfe und entsprechende Trägerraketen. Die Möglichkeit, dass pakistanische Atombomben oder nukleare Forschungslabors etwa in die Hände von Al Qaida fallen könnten, gilt in der US-Regierung als Alptraum. Das Geheimprogramm habe bereits nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 begonnen. Die USA hätte unter anderem Sicherheitspersonal aus Pakistan in den USA ausgebildet sowie notwendige Ausrüstung geliefert.

USA fordert Aufhebung des Ausnahmezustands

Offiziell lasse die US-Regierung verlauten, dass das pakistanische Nukleararsenal gesichert sei. Die Zeitung zitiert etwa Stabschef Mike Mullen mit den Worten "Ich sehe derzeit keine Hinweise, dass die Sicherung dieser Waffen in Gefahr sein könnte, aber wir verfolgen dies mit großer Wachsamkeit."

US-Vizeaußenminister Negroponte appellierte vor seiner Abreise aus Pakistan noch einmal an Musharraf, den Ausnahmezustand aufzuheben. "Der Ausnahmezustand ist nicht vereinbar mit freien, fairen und glaubwürdigen Wahlen", sagte Negroponte. Der pakistanische Außenamtssprecher Mohammed Sadiq machte jedoch deutlich, dass sich die Regierung nicht auf einen Termin für ein Ende des Ausnahmezustandes festlegen werde.

Islamabad bleibt hart

An der Position Islamabads habe sich nichts geändert, sagte Sadiq. "Unsere Antwort bleibt, dass der Ausnahmezustand unter extremen Bedingungen verhängt wurde und dass wir von unseren Freunden erwarten, den Ernst der Lage zu verstehen." Musharraf, der den international kritisierten Ausnahmezustand am 3. November verhängt hatte, hat Parlamentswahlen vor dem 9. Januar zugesagt.

Negroponte appellierte an Musharraf, Gespräche mit den gemäßigten politischen Kräften des Landes aufzunehmen. Dabei sollte auch die liberale Oppositionsführerin Benazir Bhutto einbezogen werden. "Die Aussöhnung der moderaten politischen Kräfte ist sehr wünschenswert und könnte helfen, die Voraussetzungen für erfolgreiche Wahlen zu schaffen", sagte Negroponte. Der Vizeaußenminister unterstrich jedoch, dass Washington die "Partnerschaft mit Pakistan unter der Führung von Präsident Musharraf" weiterhin schätze. Musharraf "war und ist eine starke Stimme gegen den Extremismus", sagte Negroponte.

Negroponte hatte Musharraf bereits bei einem Treffen am Samstag zur sofortigen Aufhebung des Ausnahmezustands und zum Rücktritt vom Posten des Armeechefs geraten, was dieser jedoch zurückgewiesen hatte. Musharraf hat zugesagt, die Uniform auszuziehen. Er will zuvor aber als Präsident vereidigt werden. Das Verfassungsgericht, dessen kritische Richter Musharraf nach Verhängung des Ausnahmezustands auswechseln ließ, muss noch über die Rechtmäßigkeit von Musharrafs Wahl zum Präsidenten durch die Parlamente im Oktober entscheiden. (mit dpa)