Der Tagesspiegel : Nun gerät auch Schönbohm unter Beschuss

Der CDU-Chef sei von Krise überfordert

Michael Mara

Der CDU-Chef sei von Krise überfordert Potsdam - In Brandenburgs CDU nimmt der Machtkampf immer schärfere Formen an. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen aus den Lagern der beiden Bewerber um den Parteivorsitz nehmen zu. Jetzt gerät auch Parteichef Jörg Schönbohm, der Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns als Nachfolger favorisiert und dessen Mitbewerber Sven Petke ablehnt, ins Visier. Der dem Petke-Lager zugerechnete CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Stübgen warf Schönbohm vor, dass sein Krisenmanagement stark verbesserungsbedürftig sei. Er vermisse bei Schönbohm auch Selbstkritik. Zugleich wies er Schönbohms Darstellung zurück, wonach sich der fristlos gekündigte Landesgeschäftsführer Rico Nelte sein Gehalt eigenständig und ohne Absprache erhöht haben soll. Vielmehr sei für alle vier Mitarbeiter der Landesgeschäftsstelle eine Gehaltserhöhung um 200 Euro vereinbart worden, dies sei auch im Haushaltsplan 2006 ausgewiesen worden. Stübgen kritisierte außerdem die Vergabe der CDU-Kampagne im Landtagswahlkampf 2004 an die private Firma des damaligen Landesgeschäftsführers Mario Faßbender. Schönbohm hätte dies mit dem Vorstand absprechen müssen, sein Verhalten in diesem Fall sei „politisch ausgesprochen fragwürdig“.

Auch die beiden Bewerber für den Parteivorsitz gerieten gestern wieder in die Kritik. Der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder), Martin Patzeld, empfahl Petke, seine Kandidatur wegen der E- Mail-Affäre zurückzuziehen. Patzeld meinte, dass das Petke-Lager überschätzt werde. Es sei nicht so stark, wie es nach außen scheine. „Wer auf Petke setzt, sollte genau überlegen, ob das auf Dauer trägt“. Die Oberbürgermeisterin von Brandenburg/Havel, Dietlind Thiemann, erklärte, beide Kandidaten ließen Format vermissen. Sie erwarte von Junghanns, dass er Klartext rede und sage, wie er die Partei aus der Krise führen will. Sie kritisierte auch, dass die Probleme nicht intern geklärt, sondern auf offener Bühne ausgetragen würden. Niemand sagt: „Hört endlich auf, mit Dreck zu schmeißen.“

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