Der Tagesspiegel : Nur sicher ist schön

Die Villen in der Siedlung am Seddiner See werden durch private Wachdienste geschützt – fast wie in Beverly Hills

Claus-Dieter Steyer

Wildenbruch. Was in Beverly Hills und anderen Nobelvierteln längst Standard ist, gibt es nun erstmals auch im Berliner Umland: private Wachdienste zum Schutz vermögendender Anwohner. Zwar zeugen hier mehrere Siedlungen vom Reichtum der Zugezogenen, aber patrouillierende Streifen sind nur aus der Nähe von Potsdam bekannt. Im Golf- und Country Club Seddiner See sichert die Firma Securitas die Bewohner, Golfspieler und Gäste ab.

Schilder an den Zäunen und Mauern der prachtvollen Villen kündigen diesen ungewöhnlichen Service an – für den die Anwohner zahlen. „Monatlich 40 Euro“, sagt Karl-Heinz Vogt, Geschäftsstellenleiter der HVB Immobilien AG, die die Grundstücke verkauft. „Das ist ihnen das Gefühl der Sicherheit einfach wert.“ Dabei sei seit dem Einzug der ersten Bewohner vor einigen Jahren noch nie etwas Ernstes passiert. „Vielleicht liegt es einfach an der Abschreckung, das jemand hier aufpasst“, mutmaßt der Makler. Die Streifen bewegten sich sporadisch zu Fuß oder mit dem Auto durch die großzügige Siedlung direkt am Seddiner See. Von einer Abschottung wie in anderen Nobelgegenden könne keine Rede sein. Dennoch unterscheidet sich diese Golf- und Wohnanlage doch erheblich von den übrigen Siedlungen rund um Berlin.

Die Häuser entstammen nicht den Prospekten von Fertighausfirmen, in fast allen Fällen trifft nicht mal mehr der Begriff „Villa“ auf die Anwesen zu, man muss sie wohl „Paläste“ nennen. Oft finden sich auf den riesigen Grundstücken ein zusätzliches Gästehaus, ein Garten- oder ein Teepavillon. Die Quadratmeterpreise für das ehemalige LPG-Land liegen zwischen 180 und 245 Euro. Die Grundstücksgrößen beginnen ab 900 Quadratmetern. Viele Eigentümer, von denen 80 Prozent aus Berlin stammen, haben sich zwei oder drei Grundstücke dieser Größe gekauft. So verhindern sie ein zu dichtes Heranrücken eines Nachbarn und lassen obendrein den Gärtnern alle Spielräume. Viele Häuser umgeben allerdings keine großen Blumenrabatten, sondern richtige kleine Parks.

Diese Exklusivität ist gewollt, sagt Ferdinand Fürst von Bismarck, Urenkel des „Eisernen Kanzlers“ und Ehrenpräsident des Golf- und Country Clubs Seddiner See. Er hatte 1991 das Gelände unweit der Autobahnausfahrt Michendorf des südlichen Berliner Rings auf der Suche nach einem geeigneten Terrain für einen Golfplatz entdeckt und erworben. „Wir bevorzugen Häuser im französischen Landhausstil mit schwarzen Dächern. Bis auf einige Ausnahmen ist uns das auch gelungen“, sagt von Bismarck. Bisher seien von 240 Grundstücken in der insgesamt 300 000 Quadratmeter großen Wohnanlage etwa die Hälfte verkauft. Von den 24 Appartements im luxuriösen Clubhaus sind noch sechs frei.

Marion Lange-Köhler, Vizepräsidentin des Clubs mit zwei von Fachleuten hochgelobten 18-Loch-Meisterschaftsplätzen, verrät einige bekannte Bewohner und Golfspieler: Zu ihnen gehören Frau Juhnke, Berlins IHK-Präsident Gegenbauer, Familie Herlitz sowie Chefredakteure, Apotheker, Anwälte, Steuerprüfer, Ärzte. Auch Fürst von Bismarck besitzt hier eine Wohnung.

Vier Fünftel der Anwohner greifen in der Freizeit zum Golfschläger. „Irgendwann lässt sich jeder von diesem Spaß anstecken“, sagt Frau Lange-Köhler. Auch viele Spieler von außerhalb schätzten die unterschiedlichen Plätze. „Wir sind ja in 30 Minuten vom Kurfürstendamm zu erreichen.“ Vielleicht gehören deshalb Klaus Wowereit und der Präsident des Wannseer Golfclubs, Roland Specker, ebenso zu den Gästen am Seddiner See. Auf der Aktionärsliste – eine Aktie des Golfclubs kostet 17 741 Euro – steht auch der Name Herbert Grönemeyer. „Er kommt jedoch nur selten zu uns“, sagt die Vizepräsidentin.

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