Oberspreewald : Barrikaden gegen Zwangsanschluss an Abwassernetz

Weil sie über eine biologische Kläranlage verfügt, weigerte sich eine Bürgermeisterin aus dem Kreis Dahme-Spreewald standhaft gegen den Anschluss ans öffentliche Abwassernetz. Jetzt trug sie die Polizei von ihrem Grundstück.

Briesensee Die Polizei hat am Mittwoch den Zwangsanschluss von zwei Grundstücken an das öffentliche Abwassernetz durchgesetzt. In Briesensee (Kreis Dahme-Spreewald) musste die Ortsbürgermeisterin Doris Groger (parteilos) von ihrem Grundstück getragen werden, wie ein Polizeisprecher sagte. Fünf Menschen wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen. In Rauen (Kreis Oder-Spree) hingegen ließen sich die Besitzer dazu überreden, die Baumaßnahmen zuzulassen. Es blieb den Angaben zufolge bei verbalem Protest.

In Briesensee hatte das Amt Lieberose/Oberspreewald die Polizei aufgefordert, für die erzwungenen Baumaßnahmen Vollzugshilfe zu leisten. Die Frau hatte sich den Angaben zufolge gemeinsam mit ihren Söhnen sowie Sympathisanten auf ihrem Grundstück verbarrikadiert. Sie habe das Tor zugeschweißt, den Eingang mit Schrott zugebaut und zahlreiche Steine und Flaschen in den Weg gelegt, sagte der Polizeisprecher. Insgesamt waren 25 Polizisten im Einsatz, darunter ein Anti-Konflikt-Team.

Die Polizei sprach Platzverweise aus. Doch Groger und ihre Mitstreiter weigerten sich, das Haus zu verlassen. Die Beamten trugen die Personen daraufhin vom Grundstück, wobei sie zum Teil erheblichen Widerstand leisteten. Sie wurden bald wieder aus dem Gewahrsam entlassen. Die Ortsbürgermeisterin selbst kam jedoch erst nach Abschluss der Bauarbeiten gegen 11 Uhr auf freien Fuß.

Die Frau verfügt über eine biologische Kläranlage und weigert sich seit Jahren aus finanziellen Gründen hartnäckig, ihr Grundstück an das zentrale Abwassernetz anzuschließen. Im Jahr 2000 sorgte die Bürgermeisterin für Schlagzeilen, als sie über drei Wochen lang in den Hungerstreik trat, um den Anschluss ihres Ortes an die öffentliche Kanalisation zu verhindern. Weitere Bürger schlossen sich der Protestaktion an. (ho/ddp)

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