Ocean's Thirteen : Danny cool

G 8? Dann lieber „Ocean’s Thirteen“: George Clooney und seine Gang kehren ins Kino zurück – und nach Las Vegas.

Julian Hanich
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Foto: Warner

In Steven Soderberghs „Ocean’s Thirteen“ betritt der alte Ganove Reuben Tishkoff (Elliott Gould) seinen begehbaren Kleiderschrank. Dutzende von Jacketts hängen hier nach Farben aufgereiht. Anzüge und Krawatten verschiedenen Stils sind ausgebreitet. Reuben zieht eine Schublade auf, in der sich ein sehr extravagantes Hemd verbirgt. Liebevoll streicht er über das Teil, als wollte er sagen: Du, mein gutes Stück, wirst mich heute schmücken.

So muss man sich auch den Regisseur Steven Soderbergh vorstellen, wenn er einen neuen Film vorbereitet. Soderbergh steigt hinab in den Fundus der Filmgeschichte, in dem die Klassiker in Vitrinen funkeln und die Genres in Glasschränken zur Schau gestellt sind, sieht sich um und greift ehrerbietig zu. Mal bedient er sich beim deutschen Expressionismus („Kafka“), mal bei Tarkowski („Solaris“). Zuletzt legte er „The Good German“ das schwarzweiße Gewand der romantischen Vierziger-Jahre-Studioproduktionen um. Für die dritte Auflage der Abenteuer des schönen Danny Ocean (George Clooney) hat er sich nun die späten Sechziger und frühen Siebziger ausgesucht, mit ihrer Vorliebe für Splitscreens, wild zoomenden Kameras und Funkmusik im „Shaft“-Stil. Bestimmt nicht zufällig die Zeit, als Steve McQueen in Betrügerfilmen wie „The Thomas Crown Affair“ oder „Getaway“ der coolste aller Hollywoodhelden war.

Nachdem „Ocean’s Twelve“ einen Abstecher nach Europa wagte, kehren Danny und seine Betrüger-Buddies dorthin zurück, wo in „Ocean’s Eleven“ alles begann: nach Las Vegas. Wieder steht viel Geld auf dem Spiel: 750 Millionen Dollar. Aber auch diesmal geht es eigentlich um etwas viel Wertvolleres, nämlich persönliche Satisfaktion. Der egomanische Hotel- und Casinobesitzer mit dem sprechenden Namen Willie Bank (Al Pacino) hat Dannys Freund Reuben dermaßen übers Ohr gehauen, dass diesem das Herz stehen geblieben sein muss. Jedenfalls liegt er jetzt im Koma. Und das gefällt Danny und seinen Freunden gar nicht. Vielleicht hätte sich Bank das Ganze besser zweimal überlegen sollen, denn jetzt hat er ein dreckiges Dutzend am Hals. Einer gegen alle? Alle für einen!

Da passt es, dass Bank gerade sein neuestes Hotel mit dem bescheidenen Namen „The Bank“ eröffnen will: ein verschraubter Wolkenkratzer am Strip, gegen den selbst das Sieben-Sterne-Domizil „Burj al Arab“ in Dubai wie eine verratzte Jugendherberge wirkt. Dieser Kerl hat Geschmack. Keinen guten, klar. Aber immerhin: alles teuer. Brille mit Goldrand, Föhnfrisur, rosafarbene Hosenträger zum Hemd mit Lavendelstreifen. Al Pacino spielt dieses Großmaul als eine hochgetunte Version von Steve Wynn, dem Besitzer des „Bellagio“ und „Wynn Las Vegas“.

Seit Tarantinos „Kill Bill“ wissen wir: „Revenge is a dish best served cold.“ Doch bei Danny Ocean und seinen Jungs wird Rache nicht kalt, sondern cool serviert. Hier zuckt niemand mit der Wimper. Hier verzieht keiner seine Pokermiene. Hier wird die feine Männerhaut noch nicht einmal von einem Nanoliterchen Schweiß benetzt. Und das ausgerechnet in der brütenden Hitze von Nevada. Danny & Co.: Das ist Cool and the Gang. Nur einmal gibt es einen Moment, da sieht man Brad Pitt und George Clooney, wie sie voreinander ihre glasigen Augen zu verbergen versuchen: Eine Ausgabe der Oprah Winfrey Show hat sie emotional übermannt.

Angesichts von so viel Lässigkeit ist es nur konsequent, dass auch der Film niemals in Hektik verfällt oder gar Suspense aufbaut. „Ocean’s Thirteen“ schlendert, manchmal schlurft er sogar. Aber stört das? Filme drehen bedeutet bekanntlich, schöne Männer schöne Dinge tun zu lassen. Und was ist schöner, als Brad Pitt und George Clooney beim Herumstehen in sündteuren Anzügen zu beobachten? Auch wenn Soderbergh den beiden Vorgängerfilmen nicht viel hinzufügt, genug kriegen kann man von seinen wortgewandten Elogen auf Kameraderie und Männerfreundschaft nicht. Das Einzige, was fehlt, ist eine umwerfende Frau. „Ocean’s Thirteen“ bietet keinen Ersatz für Julia Roberts und Catherine Zeta-Jones, die Diven von Teil 1 und 2. Es gibt Ellen Barkin. Aber sie stakst als Willie Banks beflissen-devote Assistentin eher bodenständig durch den Film.

Zugegeben: Es gibt spannendere Betrügerfilme. Aber letztlich geht es in diesem Genre vor allem um eins: Schadenfreude. Irgendeiner bekommt es immer heimgezahlt. Irgendjemand muss immer büßen für Reichtum und Hybris. Der Zuschauer schlägt sich genussvoll auf die Seite der Gauner und wird Zeuge, wie höchst raffiniert dem schmierigen Lokalmafioso, der global agierenden Corporation, ja dem kapitalistischen System höchstselbst ein Schnippchen geschlagen wird.

Voller Boshaftigkeit steuert das Genre seinem Höhepunkt entgegen: der Nahaufnahme eines fassungslosen Gesichtsausdrucks. Wer erinnert sich nicht an Robert Shaw am Ende von „Der Clou“, nachdem ihn Robert Redford und Paul Newman über den Wetttisch gezogen haben? Auch in „Ocean’s Thirteen“ gibt es diesen glorreichen Moment. Auf das Grinsen George Clooneys folgt ein Schnitt – zu sehen sind die entglittenen Züge seines puterroten Gegenübers. Der Kontrollverlust zeigt schlaglichtartig, was der wahre Ganove am meisten genießt: die Macht der reinen Coolness.

Ab Donnerstag in 24 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center