Der Tagesspiegel : Oder gegen Main: Welches Frankfurt ist am sportlichsten? Kaum vorbereitet, aber gelassen gehen die Brandenburger ins Städteduell der ARD

Volker Eckert

Frankfurt(Oder)/Rust. Frankfurt (Oder) ist es gewohnt, ein Randdasein zu führen. Doch bald hat die Grenzstadt Gelegenheit, sich zur besten Sendezeit in der ARD einem Millionenpublikum zu präsentieren. Im spielerischen Städteduell mit dem Namensvetter vom Main, einer Art Neuauflage von Spiel ohne Grenzen, treffen die beiden Teams am heutigen Sonnabend im Europapark im badischen Rust aufeinander. Im Juli läuft die Sendung – ein werbewirksamer Auftritt für die Oderstadt. Und die Chance, einen alten Minderwertigkeitskomplex loszuwerden. Denn beim Namen Frankfurt denken die meisten an Hochhäuser und Goethe, aber kaum jemand an Viadrina und Kleist.

Zwölf Sportler von der Oder haben ein Casting des Bayrischen Rundfunks, der die Sendung produziert, überstanden. Überwiegend Karatekas, auch zwei Judoka sind dabei, eine Schwimmerin, der Boxer Danilo Häusler. Am Donnerstag früh um 5 Uhr sind sie zur zwölfstündigen Busfahrt ins Badische aufgebrochen – mit gemischten Gefühlen. „Wir haben nicht trainiert wie die Wilden“, sagt Teamleiter Eberhard Vetter. Man habe die anstehenden Wettbewerbe zu Hause nicht so einfach simulieren können. Immerhin ein Laufband gibt es im Sportzentrum für Radfahrer, darauf hat die Gruppe ein paar Mal geübt. Denn in einer Disziplin müssen Wassereimer über ein bewegliches Band transportiert werden. Für andere – eine riesige Kugel durch einen Hindernisparcours manövrieren, mit Anlauf möglichst weit auf dem Bauch über eine nasse Kunststoffmatte rutschen – ist das Motto von Vetter: „Glück entscheidet“.

Die sportlichste Leistung des Wettkampfes müssen allerdings die Oberbürgermeister vollbringen: Fragen zur Allgemeinbildung beantworten, während sie auf Europas größter Achterbahn in die Tiefe rasen. Martin Patzelt, OB aus der Oderstadt, bekommt die Fragen von Henry Maske gestellt, dem prominenten Begleiter des Teams.

Der Judoka Daniel Prochnow von der Bundesliga-Mannschaft JC 90 Frankfurt hat außerdem ein paar Stunden mehr im Kraftraum verbracht als sonst. Er wird sich auf einer schrägen Ebene möglichst schnell nach oben hangeln müssen. Als Außenseiter sieht er sich gegen das große Frankfurt nicht: „Wir sind die Besseren, wir gewinnen.“

Anders als die Brandenburger mit ihren Kampfsportlern setzen die Hessen auf Eleganz. Ihre Mannschaft besteht überwiegend aus Turnern. Davor hat Antje Golnisch vom Oder-Team Respekt. Die Schwimmerin schätzt, dass „die in Sachen Körperbeherrschung einiges drauf haben“. Eine Trainingseinheit haben die Oderstädter den Hessen immerhin voraus: Auf der zwölfstündigen Busfahrt haben sie sich den Film „Der Gladiator“ angesehen.

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