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Oderflut : Merkel besucht Hochwassergebiet in Frankfurt

Die Bundeskanzlerin hat sich bei einer Stippvisite ein Bild von der Hochwasserlage in Frankfurt gemacht. Die Deiche halten, doch die Gefahr sei noch nicht vorbei, sagte sie.

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Angela Merkel und Matthias Platzeck an der Oder.
Angela Merkel und Matthias Platzeck an der Oder.Foto: dpa

Der Pfütze kann Angela Merkel nicht ausweichen, kurz bevor sie die Leiter an der silberglänzenden Metall-Spundwand hochklettert, die diesmal die 1997 noch überflute 600 Meter lange tiefe Uferpromenade in Frankfurt (Oder) schützt. So gewaltig ist nämlich der Druck der Oder, dass das Wasser immer wieder durchsuppt. Aber dann steht sie oben, die Kanzlerin, gemeinsam mit Matthias Platzeck, dem Brandenburger Regierungschef, und schaut einen Moment auf diese Flut, die gegen die Wand drückt und an der Stadt vorbeirauscht. „Ziemlich schnell“, sagt Angela Merkel.

Wenn die Lederschuhe der Kanzlerin das einzige sind, was nass wird, kann die Lage an der Oder nicht mehr so dramatisch sein. So ist es auch, wie Merkel bei der Stippvisite in Frankfurt (Oder) erfährt, die bei Kaiserwetter neben dem Medientross gut hundert Schaulustige ans Ufer lockt. Vor Ort weiß man es zu schätzen, dass die Kanzlerin kommt, sagt Oberbürgermeister Martin Wilke. „Die Aufmerksamkeit tut gut.“ Die Stimmung ist es auch. Kein Wunder, denn die Lage ist entlang der Oder zwar angespannt, aber stabil. Und die Deiche halten, es sei gut, dass nach 1997 „so unglaublich viel investiert wurde“, sagt Merkel.

Druck auf den Deich lässt kaum nach

Der Pegel verharrt in Frankfurt (Oder) bei gut sechs Metern, und er steigt nicht weiter. Der Scheitel sei inzwischen in Küstrin, erklärt Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes. Es ist Platzeck, der dann doch mehrfach mahnt, sich nicht zurückzulehnen, nur weil der Wasserstand ein paar Zentimeter fällt. „Wir dürfen mit der Aufmerksamkeit nicht nachlassen. Der Druck auf die Deiche ist noch stark“. Wenn nur irgendwo etwas passiere, nur ein Deich im Oderbruch breche, „geht es trotzdem unter.“ Vorher hatte Merkel mit Platzeck den Krisenstab in Frankfurt (Oder) besucht, sich über den Einsatz, die Koordination mit den polnischen Nachbarn informieren lassen: Dass flussaufwärts die Polen Polder fluteten, dass Brandenburg sich im Unteren Odertal revanchierte, wofür sich Landrat Andrej Bycka, der mit am Tisch saß, bedankte. Am Sonntag will Merkel erneut mit dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk telefonieren.

Bei der Fahrt im Auto mit Platzeck lobt sie die „Professionalität“ des Einsatzes. Kein Vergleich zum Elbehochwasser, kein Vergleich zu 1997, als Platzeck und Merkel schon einmal gemeinsam auf den Oderdeichen waren. Er, der „Deichgraf“, der Umweltminister der Mark. Sie, damals Bundesumweltministerin. Freilich, damals erklärten beide, den „Flüssen ihren Raum zurückzugeben“, dass man Überflutungsflächen schaffen müsse, was kaum geschah, weder an Oder und Elbe, noch an Donau oder Rhein. 60 Hektar sind es in Brandenburg statt der damals versprochenen 6000 Hektar. Aber an diesem Tag in Frankfurt (Oder) ist das kein Thema. Weder Platzeck, noch Merkel sprechen es an. Für Journalistenfragen ist keine Zeit.

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