OECD-Bildungsbericht : Dummes Deutschland

Glaubt man dem neuesten Bericht der OECD, ist Deutschland in der Bildung kurz vor dem Exitus. Keine Akademiker, chancenlose Arbeiterkinder, kein Nachwuchs. In der Wirtschaftsmacht Irland ist alles viel besser.

OECD-Bildungsbericht
Schreibübungen. Wer mit dem deutschen Bildungssystem aufwächst, hat schon verloren, sagt die OECD. -Foto: ddp

BerlinDas deutsche Bildungssystem weist im internationalen Vergleich weiter erhebliche Defizite auf. Dies geht aus der jüngsten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die in Berlin vorgestellt wurde. Danach ist Deutschland auf Grund des Akademikermangels derzeit nicht in der Lage, Ingenieure, die in den kommenden Jahren in Rente gehen, durch junge Absolventen zu ersetzen. Bei Pädagogen sei das Verhältnis zwischen Jungakademikern und aus dem Beruf Ausscheidenden noch ungünstiger.

"Eine leistungsfähige tertiäre Ausbildung ist ein strategischer Faktor für wirtschaftliches Wachstum und sozialen Fortschritt. In diesem Bereich gibt die internationale Position Deutschlands einigen Anlass zur Sorge", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Präsentation der Studie. Deutschland führe mittlerweile einen deutlich geringeren Anteil eines Jahrgangs zu einem akademischen Abschluss als die OECD-Länder im Schnitt. So kämen in Deutschland nur 32 Ingenieure auf 1000 Person eines typischen Abschlussjahrgangs, im OECD-Mittel seien es hingegen 44. Bei anderen naturwissenschaftlich-technischen Fächern sei die deutsche Absolventenquote im OECD-Vergleich ähnlich gering.

In Irland hat der Status des Vaters keinen Einfluss auf die Bildung

Zudem sei in Deutschland das Erreichen eines Hochschulabschlusses nach wie vor stark abhängig von der sozialen Herkunft. So sei der Anteil von Akademikerkindern an Hochschulstudenten 2,2 mal so hoch, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspreche. In Irland dagegen habe die akademische Bildung des Vaters so gut wie keinen Einfluss darauf, ob ein Kind studiere oder nicht.

"Kinder werden hierzulande bereits mit zehn Jahren auf unterschiedliche Bildungswege verteilt. Wer aus einer benachteiligten Familie kommt, wird dabei eher auf einen Bildungsweg geleitet, der eine geringere Leistung erwarten lässt", kritisierte der OECD-Generalsekretär.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) kündigte einen "Bildungs-Herbst" an. Bund und Länder müssten umgehend über Strategien nachdenken, um diese Schwierigkeiten zu meistern. In der Tat sei es notwendig, mehr junge Leute an die Hochschulen zu bringen und zugleich die Zahl der Abbrecher deutlich zu reduzieren. Ein erster Schritt sei die neue Struktur mit Bachelor- und Master- Abschlüssen. Schavan plädierte zudem dafür, im öffentlichen Dienst mehr Anreize für Lehrer zu schaffen. (mit ddp/dpa)