OECD-Bildungsbericht : SPD: Schavan hat versagt

Bildung in Deutschland, eine einzige Misere? Nach Veröffentlichung des jüngsten OECD-Berichts geht die Suche nach den Schuldigen los. Die SPD hat bereits Bildungsministerin Schavan als Sündenbock ausgemacht.

Deutsche Politiker reagieren besorgt auf die neue OECD-Studie "Bildung auf einen Blick". "Die Studie ist alarmierend, weil diese deutlichen Warnungen zum wiederholten Male kommen“, sagte Ulla Burchardt (SPD), Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Forschung im Bundestag, dem Tagesspiegel.

Die von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) angekündigten Initiativen stellte Burchardt in Frage: Wenn sie jetzt mit den Ländern über Strategien reden wolle, sei sie offenbar in zwei Jahren Amtszeit untätig geblieben. Der Hochschulpakt zum Ausbau der Studienplätze sei unterfinanziert, die Länder nicht in der Pflicht, wirklich zusätzliche Studienplätze zu schaffen. Schavan rede von der Durchlässigkeit zwischen Berufsausbildung und Hochschulen, versäume es aber, bundeseinheitliche Zulassungsbedingungen an den Hochschulen durchzusetzen. Burchardt forderte eine "deutliche Erhöhung der öffentlichen Ausgaben" - und die Abschaffung von Studiengebühren. Sie schreckten potenzielle Studierende aus finanziell schwächeren Familien ab.

"Deutschland krankt an einer Lebenslüge"

Scharfe Kritik übte außerdem Andreas Schleicher, Leiter der Abteilung "Indikation und Analysen“ im OECD-Bildungsdirektorat, im Interview mit dem Tagesspiegel. "Deutschland krankt an einer Lebenslüge, dass das gute System der dualen Ausbildung auch den zukünftigen Bedarf von Spitzenkräften befriedigen wird“, sagte Schleicher anlässlich der Vorstellung des OECD-Berichts. Das sei aber nicht der Fall. Im internationalen Vergleich seien andere Länder erheblich erfolgreicher beim Aus- und Umbau ihrer Hochschulen als Deutschland. Hier sei der "Zugang zum Studium sozial so unausgewogen wie in kaum einem anderen Land“ - und das, obwohl das Studium öffentlich finanziert ist. Das gelte nicht nur für die Universitäten, sondern auch für das Schulsystem, "dem es nicht gelingt, die Potenziale vieler Kinder zu entwickeln“. Schleicher bemängelte, dass Deutschland weiterhin unterdurchschnittlich in Bildung investiere - vor allem in den ersten Schulklassen. Dabei sei dort individuelle Förderung besonders wichtig, um Nachteile durch soziale Herkunft auszugleichen. Widersinnig sei auch, dass Deutschland Gebühren für die Kitas erhebe und nicht für die Hochschulen.

Katherina Reiche, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im Bundestag, sieht Deutschland indes "in der größten Bildungsreform aller Zeiten“. Schnelle Erfolge dürfe man nur sechs Jahre nach dem Pisa-Schock von 2001 nicht erwarten. Sie appellierte aber an die Länder, "allen Kindern, egal ob sie aus Berlin, Bayern oder Thüringen kommen, trotz des Föderalismus' beste Bildungschancen zu geben“. Sie warnte davor, "Debatten von gestern zu führen“, etwa über die Gesamtschule. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hatte vor dem Hintergrund der OECD-Studie die "frühe Aufteilung der Kinder auf die unterschiedlichen Schulformen“ kritisiert. Vielmehr müssten notwendige Reformen schneller umgesetzt werden, sagte Reiche dem Tagesspiegel: So sollte dem naturwissenschaftlichen Unterricht mindestens ein Drittel der Unterrichtszeit eingeräumt werden, die Fächer müssten durchgehend unterrichtet werden. (Tsp)