Öffentlicher Verkehr : Pendler klagen über schlechte Busverbindungen

Der Fahrgastverband kritisiert die geringe Taktfolge auf Linien ins Umland sowie die mangelnde Koordination zwischen BVG und anderen Gesellschaften. Für viele wird die Fahrt zum Arbeitsplatz zu einem Wettrennen gegen die Zeit.

Matthias Matern

Potsdam - Seit Jahren steigt die Zahl der Berufspendler aus dem Umland nach Berlin kontinuierlich an. Etwa 160 000 Brandenburger, so schätzt die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, machen sich täglich auf den Weg zur Arbeit in die Hauptstadt. Vor zehn Jahren waren es noch rund 118 000. Zu einem Wettrennen gegen die Zeit wird die Fahrt zum Arbeitsplatz dabei häufig nicht nur für jene, die von weither kommen, sondern auch für die, die eigentlich direkt vor den Toren Berlins wohnen. Während Pendler etwa aus der Lausitz oft über überfüllte und verspätete Regionalzüge stöhnen, wird für Arbeitnehmer aus dem Berliner Umland eher die vergleichsweise kurze Anreise mit dem Bus zum Problem.

Zu Verdruss führen die geringe Taktfolge mancher Linien und der schlechte Anschluss von Bussen märkischer Verkehrsgesellschaften zu denen der BVG. „Das ist seit Jahren das größte Manko“, sagt Artur Frenzel vom Fahrgastverband Berlin-Brandenburg IGEB. Problematisch sei, dass sich die verschiedenen Gesellschaften nur für ihre eigenen Linien verantwortlich fühlen und dann auch nur bis zur letzten Haltestelle im Zuständigkeitsbereich. „Seit Jahren gibt es an vielen Stellen rund um Berlin deshalb Streit, wer die letzten Kilometer vor oder hinter der Stadtgrenze bedienen soll“, kritisiert Frenzel.

Besonders unbefriedigend sei der grenzüberschreitende Busverkehr zum Beispiel für Pendler aus dem Barnim nach Berlin geregelt, berichtet Artur Frenzel. „Wer nicht aus Bernau kommt, sondern aus kleineren Dörfern abseits der S-Bahn-Trasse, hat es besonders schwer.“ Gleiches gelte für die Kreise Dahme-Spreewald, Havelland und mancherorts in Teltow-Fläming. So würden beispielsweise die Busse von Großziethen (Dahme-Spreewald) nach Berlin-Rudow unter der Woche tagsüber nur einmal pro Stunde, nachts gar nicht und am Wochenende nur äußerst selten fahren, bemängelt Frenzel. „Das ist kein Anreiz, das Auto stehen zu lassen.“ Im Havelland seien zwar Dallgow und Falkensee gut angebunden, andere Orte dafür umso weniger. Relativ reibungslos funktioniere es auf den Verbindungen von Teltow und Potsdam nach Berlin, lobt Frenzel.

In der Pflicht sieht der Fahrgastverband den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Der VBB müsste die einzelnen Verkehrsgesellschaften unter Druck setzen, damit sie sich endlich einigen, findet Artur Frenzel. „Bislang zeigt der Verbund jedoch keine Initiative.“

VBB-Sprecher Matthias Stoffregen sagt dagegen, den grenzüberschreitenden Busverkehr zu verbessern, sei sogar ein Schwerpunkt der Arbeit des VBB. Jedoch mache es keinen Sinn, jede einzelne Buslinie über die Stadtgrenze zu führen. Ziel des VBB sei es vielmehr, Pendler möglichst mit Bussen zur nächsten S-Bahn-Station zu bringen, sagt Stoffregen. So leicht, wie sich der Fahrgastverband die Koordinierung der Verbindungen vorstelle, sei es zudem nicht. Am Ende stehe immer die Frage, wer was bezahlen soll, sagt Stoffregen. Doch für eine bessere Verknüpfung mehr Geld ausgeben wollten weder der Senat noch die Brandenburger Landesregierung.

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