Öko-Landbau : Grüner Sieger Dahme-Spreewald

Ein Drittel der Anbaufläche in Dahme-Spreewald wird ökologisch bewirtschaftet. Das ist deutscher Rekord.

Claus-Dieter Steyer
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Frisch auf den Tisch. Rosenkohl verträgt zwar Frost – aber nicht zu starken. Die letzten Felder mit dem Wintergemüse werden daher...

Lübben - Mehr Bio als in Dahme-Spreewald gibt es in keinem anderen Landkreis in Deutschland. Auf 22 700 Hektar und damit auf fast 31 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche verzichten die Bauern hier auf Pflanzenschutzmittel, Stickstoffdünger und künstliche Futterzusätze. Bundesweit kommt der ökologische Landbau nur auf einen fünfprozentigen Anteil an der Gesamtanbaufläche. Selbst im Brandenburger Vergleich stellen die 31 Prozent einen sehr hohen Wert dar. Schließlich entfällt auf die insgesamt 836 nach der EU-Öko-Verordnung arbeitenden Betriebe nur rund ein Zehntel der Agrarfläche des Landes. Auch damit aber übertrifft Brandenburg alle anderen Bundesländer. Hinter Dahme-Spreewald folgen mit deutlichem Abstand die Kreise Spree-Neiße (16 Prozent der Anbaufläche von Biobauern genutzt) und Barnim (11 Prozent).

Eine Erklärung für den Öko-Rekord in dem Landkreis, der sich vom südöstlichen Berliner Stadtrand über Schönefeld und Königs Wusterhausen bis in den Spreewald erstreckt, ergibt sich schon beim Blick auf die Landkarte: Mit den Naturparks Dahme-Heideseen, Niederlausitzer Landrücken und Schlaubetal und dem Biosphärenreservat Spreewald steht ein großer Teil der Kreisfläche unter Naturschutz. Da ist ein umfangreicher Einsatz von chemischen Mitteln ausgeschlossen. In anderen Brandenburger Regionen machen die Schutzgebiete zwar ebenfalls im Durchschnitt ein Drittel der Fläche aus, aber oft dominieren dabei – wie in der Schorfheide, in der Uckermark oder im Unteren Odertal – die Wald- und Wasserflächen.

„Außerdem werden bei uns die meisten Felder und Weiden von großen Agrarbetrieben bewirtschaftet“, sagt Manfred Schuhmann, der in der Kreisverwaltung von Dahme-Spreewald in Lübben für Landwirtschaft zuständig ist. „Davon haben sich viele zu einer umweltbewussten Produktionsweise entschlossen, um die Naturschutzgebiete nicht zu gefährden.“ Zwar liege der Ertrag gegenüber der konventionellen Landwirtschaft um bis zu einem Drittel niedriger. Aber die Öko-Betriebe erhielten vom Staat und der EU einen Ausgleich und könnten in den Bio-Läden einen höheren Preis für ihre Produkte erzielen.

Tatsächlich gehören im deutschlandweiten Vergleich Öko-Betriebe eher zu den kleineren Unternehmen. Im Landkreis Dahme-Spreewald aber haben sich auch große Agrar-Genossenschaften als Nachfolger früherer LPGs für die Bio- Produktion entschieden. So wirtschaftet etwa die Agrargenossenschaft Radensdorf mit 53 Mitarbeitern im nordwestlichen Teil des Oberspreewaldes seit Mitte 2000 nach den Regeln des ökologischen Landbaus. Etwa 66 Prozent des Ackerlandes und das gesamte Dauergrünland des Betriebes befinden sich im Biosphärenreservat Spreewald. Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt allein hier 4205 Hektar.

Mitunter bringen die ökologischen Produktionsmethoden aber auch Probleme mit sich. In der Agrar-Genossenschaft Spreetal in Neu-Lübbenau greifen beispielsweise immer wieder Kolkraben die in einer Freianlage heranwachsenden Ferkel an und töten sogar manche. Dennoch können die Ferkel nicht in den Stall – denn die Genossenschaft will ihnen genügend Licht und Bewegung gönnen und sie später als Bio-Schweine verkaufen. Stattdessen drängt sie darauf, mehr Kolkraben abschießen zu dürfen.

Ob sich die Wirtschaftskrise auf den Absatz der Öko-Produkte auswirken wird, darüber kann bisher nur spekuliert werden. „Derzeit spüren wir in den Bio-Läden von Berlin, Potsdam, Dresden oder Leipzig noch keine Kaufzurückhaltung der Kunden“, sagt Manfred Schuhmann von der Kreisverwaltung. „Somit haben wir keinen Zweifel, dass der Landkreis auch künftig seine Spitzenposition in Deutschland verteidigt.“

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