Olympische Spiele : Fanartikel aus China auf dem Prüfstand

Um Hungerlöhnen und Kinderarbeit vorzubeugen will das Organisationskomitee der Olympischen Spiele chinesische Firmen überprüfen, die Fanartikel für die olympischen Spiele herstellen.

Peking/BrüsselDas Organisationskomitee der Olympischen Spiele in Peking will nach Vorwürfen wegen Hungerlöhnen und Kinderarbeit die Fabriken kontrollieren, die unter Lizenz Fanartikel herstellen. Das Komitee lege "großen Wert" auf die Arbeitsbedingungen in den Werkstätten, sagte der Sprecher Sun Weide. "Wir haben eine Untersuchung gestartet." Die Internationale Gewerkschaftsvereinigung (ITUC) in Brüssel hatte zuvor die Arbeitsbedingungen in vier chinesischen Lizenzfabriken angeprangert. Ihr Bericht unter dem Titel "Keine Medaille für die Olympischen Spiele bei den Arbeitsrechten" war am Sonntag veröffentlicht worden.

Die ITUC hatte im Winter Ermittler ausgeschickt, um die Arbeitsbedingungen vor Ort zu überprüfen. Sie entdeckten demnach "schlimme Verletzungen" der grundlegenden Rechte. Arbeiter erhielten nur die Hälfte des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohns, Kinder von zwölf Jahren wurden beschäftigt, Überstunden waren an der Tagesordnung, Beschäftigte wurden angehalten, Inspektoren über die Arbeitsbedingungen zu belügen. Die ITUC-Ermittler zitieren in ihrem Bericht ein 13-jähriges Mädchen, das zwei- bis dreimal im Monat von morgens bis zwei Uhr nachts arbeiten musste, oder einen Arbeiter, der trotz Hantierens mit gefährlichen Stoffen keine Handschuhe trug und sich Verletzungen zuzog.

Die Lizenzen für offizielle Fanartikel wie Mützen, Taschen oder Plüschtiere, sollen im kommenden Jahr rund 70 Millionen Dollar (52 Millionen Euro) einbringen, wie in der Kampagne Playfair 2008 zusammengeschlossene Gewerkschaften und Hilfsorganisationen schätzen. Das wären 40 Prozent mehr als im Jahr 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney. Die Lizenzen, welche die Herstellerfirmen zahlen müssen, gehen direkt an die Organisatoren der Spiele. (mit dpa)