Opel : Fiat will schnell mit Bundesregierung verhandeln

Nach dem Einstieg bei Chrysler drückt der italienische Autobauer Fiat nun auch im Fall Opel aufs Gaspedal: Bereits am kommenden Montag wird Unternehmenschef Sergio Macchionne in Berlin zu ersten Gesprächen erwartet. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht den angestrebten Deal hingegen skeptisch.

Berlin/TurinDer Fiat-Chef wolle in Berlin bei Wirtschaftminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sowie Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vorstellig werden, berichtete die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Dabei werde der Fiat-Chef ein "erstes, grobes Konzept" präsentieren. Demnach möchte Fiat alle deutschen Opel-Standorte erhalten, nicht aber alle Werke in der bisherigen Größe.

Marchionne wolle einen Autokonzern schaffen, der mindestens fünf Millionen Fahrzeuge herstelle, hieß es weiter. Gestern hatte der Fiat-Chef das Interesse an Opel noch einmal bekräftigt. "Sie sind unser perfekter Partner", sagte er der italienischen Zeitung La Stampa.

Dudenhöffer: "Fiat will Staatsgelder"

Opel will sich von seinem existenzbedrohten Mutterkonzern General Motors (GM) weitgehend lösen und sucht Investoren. Dabei ist neben Fiat auch der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna ein chancenreicher Interessent.

Die Bundesregierung hat künftigen Investoren Kredithilfen zugesagt, fordert im Gegenzug allerdings Garantien für Werke und Arbeitsplätze. Gewerkschaften und Teile des Betriebsrats haben sich aber gegen Fiat ausgesprochen.

Auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer äußerte Zweifel an dem Interesse der Italiener. "Fiat wird jetzt aggressiv die Opel-Linie verfolgen, um an die 3,3 Milliarden Euro Staatsgeld heranzukommen und den Chrysler-Deal abzufedern", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die Bundesregierung müsse deshalb sorgfältig prüfen, ob Fiat nicht übertriebene Zusagen mache, um den Zuschlag für Opel zu bekommen. Dudenhöffer sieht im Autozulieferer Magna den deutlich besseren Partner.

Zeitungsbericht: Fiat bietet weniger als eine Milliarde für Opel

Wirtschaftsminister Guttenberg hatte mitgeteilt, dass Magna ein "erstes interessantes Grobkonzept" für einen Einstieg bei Opel vorgelegt hat. In einem Zeitungsbericht hieß es, dass der Autozulieferer mit russischen Partnern rund fünf Milliarden Euro zur Rettung von Opel aufbringen will. Dagegen soll Fiat lediglich ein Angebot von weniger als einer Milliarde Euro unterbreitet haben.

Bereits am Donnerstag hatte der italienische Konzern eine Allianz mit dem US-Autobauer Chrysler besiegelt, der am selben Tag in die Insolvenz ging. Demzufolge beteiligt sich Fiat zunächst mit 20 Prozent an dem krisengeschüttelten Unternehmen, später soll der Anteil auf 35 Prozent steigen. (rf/dpa/Reuters)