Der Tagesspiegel : Operation Fledermaus

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Von Claus-Dieter Steyer

Altenhof. Mitten im dichten Wald in der Nähe des Werbellinsees endet der holprige Weg. Das Auto fährt jetzt auf glatten Betonplatten, kilometerlang. An einem plötzlich am Rand auftauchenden Tor winkt ein Bundeswehroffizier. „Willkommen zur Operation Fledermaus", sagt Leutnant Daniel Ptak (27), genannt „Batman". Das liegt nicht nur an seinem aus dem Polnischen stammenden n, der „Vogel“ bedeutet. Der Leutnant leitet die bislang einzigartige Rettungsaktion für die vom Aussterben bedrohten Fledermäuse. Und die findet im Versteckten statt.

Große Bunker stehen getarnt in der Landschaft. Bis zur Wende standen hier fahrbare Ungetüme mit Mittelstreckenraketen. Im Ernstfall wären sie in Windeseile zu einer im Wald versteckten Abschussrampe gefahren worden. Seit mehr als zehn Jahren stehen diese Hangars ebenso wie der Bunker für die NVA-Raketentruppe leer.

Jetzt arbeiten hier Soldaten mit Pressluftbohrer, Schaufel und Maurerkelle. „Leutnant Batman“ unterhält sich mit einigen Akteuren nur mit Zeichensprache, was am Krach, aber auch an der unterschiedlichen Sprache liegt. Die Hälfte der zwei Dutzend Soldaten kommt aus Polen. „Die Konstellation ist ideal“, meint der Biologe Eugeniusz Nowak, der die Aktion fachlich im Auftrag der Umweltstiftung Euronatur begleitet. „Wir haben in Deutschland und Polen viele ähnliche Militärbauten aus den Zeiten des Kalten Krieges. Also können wir die Erfahrungen gleich mehrfach nutzen, und ganz nebenbei kommen sich die Soldaten auch näher.“ Seit Jahren verbindet die in Gera und Brzeg (Brieg) stationierten Soldaten ein Partnerschaftsvertrag. Doch so eng wie in diesem Sommer haben sie noch nie zusammengearbeitet.

Biologe Nowak, der sich seit drei Jahrzehnten mit Fledermäusen beschäftigt, nennt das Gelände unweit des Werbellinsees gut geeignet für die fliegenden Säuger. Hier seien sie abgeschieden, könnten ungestört ein- und ausfliegen und sich zum Überwintern an den Wänden der Bunker festklammern. Letzteres klappt jedoch erst seit dem Einsatz der Soldaten. Sie haben die einst glatten Bunkermauern aufgeraut und mit Beton bespritzt, an dem sich die Fledermäuse festkrallen können. Eile ist geboten, denn ab Oktober suchen sich die Tiere ihre Winterquartiere. 15 Anlagen sollen bis dahin hergerichtet sein.

„Seit Jahrzehnten geht die Zahl der Fledermäuse zurück“, sagt Nowak. „Mindestens die Hälfte des Bestandes ist in den vergangenen 50 Jahren verschwunden.“ Die intensiv betriebene Landwirtschaft zerstöre die Lebensräume vieler Tiere und Pflanzen. Außerdem gebe es kaum noch alte Bäume mit Höhlen. Frühere Unterschlüpfe an Dächern und Häuserfassaden seien verschlossen oder mit Holzschutzmitteln behandelt worden. Die Naturschützer hoffen auf eine Fortsetzung der „Operation Fledermaus". An Bunkern fehle es ja gerade in Brandenburg nicht.

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