Der Tagesspiegel : Opus Dei will Schule machen Katholische Laienorganisation

plant Gymnasium

Claudia Keller

Potsdam. Mit Hilfe von Opus Dei („Werk Gottes“), einer umstrittenen Laienorganisation der katholischen Kirche, soll im Berliner Umland eine Schule gegründet werden. „Na und?“, sagt Charlotte Rybak vom Elternverein „Initiative Freie Schulen Brandenburg“, „wem das Konzept der Schule nicht zusagt, braucht seine Kinder ja nicht dort hin zu schicken.“ Außerdem gründe nicht das Opus Dei die Schule, sondern der Elternverein und die „Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft Köln“.

Im August 2005 soll das grundständige „Schnellläufergymnasium“ mit zwei fünften Klassen eröffnen, später sollen 700 Schüler auf die Schule gehen und nach zwölf Jahren Abitur machen. Im Moment spreche man mit den Bürgermeistern von Potsdam, Stahnsdorf und Kleinmachnow, sagt Rybak, und schaue sich nach Gebäuden um. Noch fehle aber Geld. Ein Mädchengymnasium soll folgen. Rund 20 Eltern betreiben das Projekt, die Hälfte von ihnen sind Mitglieder im Opus Dei, die anderen stehen der Organisation nahe. Auch in der Kölner Fördergemeinschaft ist die Mehrheit der Mitglieder im Opus Dei.

Dass die Nähe der Schulgründer zu Opus Dei auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist und so getan wird, als handle es sich um eine reine Privatinitiative, sei typisch dafür, wie das Opus Dei Organisationen gründe, sagt der Opus-Dei-Experte Peter Hertel. Motor für die Gründung von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen sei der missionarische Sendungsauftrag, das „Apostolat“. Die Planungen für das Gymnasium sehen auch vor, dass jedem Schüler vom ersten Tag an ein Tutor zur Seite steht.

Der Bedarf an einer katholischen Schule in Potsdam und im Umland sei groß, sagt Charlotte Rybak, weil es dort überhaupt keine konfessionellen Schulen gebe. Die geplante Schule soll Schülern aller Konfessionen aufnehmen. Nach drei Jahren kann das Gymnasium in Brandenburg staatliche Zuschüsse beantragen. „Dass Opus-Dei-Priester den Religionsunterricht durchführen sollen, könnte ein schwerwiegendes rechtliches Problem sein“, sagt Martin Gorholt, der Sprecher der Potsdamer Schulverwaltung.

Auf finanzielle Unterstützung durch das Erzbistum Berlin braucht die Elterninitiative nicht zu warten. Das Bistum hat 148 Millionen Euro Schulden. Grundsätzlich unterstütze Kardinal Sterzinsky das Projekt, sagt Bistumssprecher Herzig. Das Bistum trägt außerdem die Verantwortung für die Schulseelsorge und den Religionsunterricht an den katholischen Schulen, also auch für die des geplanten Gymnasiums. „Man müsse abwarten, welche Schwerpunkte die Schule setzen will“, sagt der Schulpfarrer des Erzbistums, Domvikar Ulrich Bonin, „wenn der Boden des vom Erzbischof approbierten Lehrplans verlassen wird, schreiten wir ein.“

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