Der Tagesspiegel : Orangerien: Wo die Zitronen blühen

H.C.

Wer im Barock auf sich hielt, richtete Pomeranzen-, Palmen- oder Orangenhäuser ein, in denen die empfindlichen Pflanzen aus fernen Ländern überwinterten. Damals galt der Besitz exotischer Pflanzen als Nonplusultra - auch die Hohenzollern wussten das und bauten Gewächshäuser. Darunter das Orangerieschloss aus der Mitte des 19. Jahrhunderts im Park von Sanssouci: die größte und repräsentativste Anlage dieser Art. Über die Geschichte der Orangerien informiert die Ausstellung "Wo die Zitronen blühen" in der Orangerie im Neuen Garten unweit der Glienicker Brücke noch bis zum 9. September (täglich 10 bis 17 Uhr, außer montags). Die Preußische Schlösserstiftung dokumentiert Aussehen und Standorte der Gebäude, Gartengeräte und Pflanzenkübel, weiter wird an Hand von Gemälden, Medaillen und Kupferstichen demonstriert, welch hohe Wertschätzung alles, was mit Zitronen und Orangen zu tun hatte, im Reich der Hohenzollern hatte. Die älteste Orangerie indes stand, so ist in der Ausstellung zu erfahren, im Berliner Lustgarten, angelegt vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm im Jahre 1647 als Aufbewahrungsort für Kübelpflanzen, die die Kälte im Winter nicht vertrugen. Weitere Orangerien gab es in Charlottenburg und im Park von Sanssouci. Beheizt wurden die verglasten Gebäude durch Öfen, deren Wärme über Heizkanäle im Fußboden überall hin verbreitet wurde. Die Orangerie im Neuen Garten wurde 1791/92 von Carl Gotthard Langhans errichtet für Friedrich Wilhelm II., der in dem nahe 86 Meter langen Bau nicht nur einen simplen Aufbewahrungsort für empfindliche Exoten sah: In königlichen Zeiten diente das Haus mit prächtigem Eingang dem Hof zu gelegentlichen Feten und Konzerten. Der Festsaal, dem sich beiderseits die Räume für die Pflanzen anschließen, wurde vor einiger Zeit restauriert.

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