Oranienburg : Blumen für eine verkannte Stadt

In aller Stille ist Oranienburg zur fünftgrößten Gemeinde Brandenburgs gewachsen. Die Gartenschau 2009 soll die Entwicklung krönen.

Matthias Matern
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Am Anfang war das Schloss. Kurfürstin Louise Henriette ließ die Residenz errichten, die der Stadt ihren Namen gab. Die...Foto: Matern

OranienburgGut vier Monate sind es noch bis zur Eröffnung der Landesgartenschau in Oranienburg, da müssen die Mitarbeiter schon erste ungebetene Gäste vom Gelände verscheuchen. Immer wieder machten sich zuletzt Scharen von Krähen an den Beeten im Schlosspark zu schaffen, gruben Blumenzwiebeln aus und schlugen sich die Bäuche voll. Jetzt sollen Windräder, bunte Wimpel und Rasseln die gefräßigen Vögel fernhalten. "Und was fehlt, wird eben nachgepflanzt", beruhigt Frank Oltersdorf, der Geschäftsführer der Landesgartenschau Oranienburg 2009 GmbH.

Bislang lägen die Arbeiten voll im Zeitplan, sagt Oltersdorf. Rund 22 Millionen Euro soll die vierte Brandenburger Landesgartenschau kosten, etwa fünf Millionen Euro mehr als die im havelländischen Rathenow 2006. Das Geld kommt zu zwei Dritteln vom Land, dem Bund und der EU, ein Drittel bringt die Stadt selbst auf. Das Konzept ist geprägt vom Geist der Stadtgründerin Louise Henriette von Oranien. Die holländische Prinzessin und Ehefrau des Großen Kurfürsten ließ nach dem Dreißigjährigen Krieg eine Residenz mit barocker Schloss- und Stadtanlage nebst großem Schlosspark und Plantagen errichten. In der Umgebung förderte sie nach holländischem Vorbild landwirtschaftliche Musterbetriebe. "Traumlandschaften einer Kurfürstin" ist denn auch das Motto der Schau, für die bereits mehr als 3000 Dauerkarten verkauft worden sind.

Doch eigentlich sind die Blumen- und Gemüsebeete und die Wiederherstellung des Schlossparks und des Neuen Parks nur Teil einer größeren Inszenierung. Es ist die gesamte Stadt, die Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) vom 25. April bis 18. Oktober ins Rampenlicht rücken möchte. Viele Jahre lang sei Oranienburg eine verkannte Stadt gewesen, habe als "Aschenputtel hinter der Mauer" gegolten, sagt Laesicke. "Jetzt wird sich so mancher die Augen reiben." In Oranienburg sei in den vergangenen Jahren viel passiert. "Wir haben geackert, aber nicht so laut getönt wie andere", gibt sich Laesicke selbstbewusst.

Bisher wurde über die Kreisstadt von Oberhavel vor allem im Zusammenhang mit dem ehemaligen Konzentrations lager Sachsenhausen berichtet - oder wenn die Innenstadt und die S-Bahn mal wieder wegen einer Bombenentschärfung gesperrt werden mussten. Dabei hat sich Oranienburg klammheimlich zur lebenswerten Stadt im Berliner Umland entwickelt. Die Zahl der Einwohner stieg von knapp 29.000 Mitte der 90er Jahre auf derzeit mehr als 41.000. Darunter seien mindestens rund 3000 ehemalige Berliner, glaubt Bürgermeister Laesicke.

Nicht alle Lücken konnten geschlossen werden

Heute ist Oranienburg die fünftgrößte Stadt Brandenburgs. In den Haupteinkaufsstraßen gibt es kaum Leerstand. Mehr als 1000 Unternehmen haben ihren Sitz in der Stadt am Lehnitzsee, darunter Weltmarktführer wie der Klebefolienhersteller Orafol oder der Pharmaziebetrieb Altana, der zur dänischen Nycomed-Gruppe gehört. Mit einer aktuellen Arbeitslosenquote von 10,1 Prozent liegt Oranienburg deutlich unter dem Landesdurchschnitt.

Dabei seien die Voraussetzungen nach der Wende alles andere als günstig gewesen, sagt Klaus-Dieter Steuer von der BIG-Städtebau in Brandenburg GmbH, die seit 1997 als Sanierungsträger in Oranienburg tätig ist. Während andere Städte in Brandenburg oft zumindest über einen intakten mittelalterlichen Stadtkern verfügten, stand in Oranienburg lediglich ein marodes Schloss. "Das barocke Stadtbild war im Krieg fast vollständig zerstört worden."

Mittlerweile ist der Innenstadtbereich in Anlehnung an alte Strukturen fast wieder hergestellt. Begonnen hatte die Stadt Mitte der 90er Jahre mit dem Bahnhof und dem Viertel rund um die Geschäftsmeile Bernauer Straße. 1999 wurde das Schloss nach umfangreicher Restaurierung wiedereröffnet. Mehr als 26 Millionen Euro an Fördermitteln sind seit 1991 in die Stadtentwicklung geflossen. "Das Entscheidende war aber der Zuschlag für die Landesgartenschau", sagt Steuer. "Ohne die Laga-Mittel hätten wir bestimmt noch bis 2017 an vielen Maßnahmen gesessen." Auch Rathenow konnte städtebaulich und in seinem Image von der Landesgartenschau profitieren, und auf dasselbe hofft Prenzlau, das wie berichtet 2013 Gastgeber sein soll.

Alle Lücken konnten aber auch in Oranienburg noch nicht geschlossen werden. Das Herzstück der alten Barockstadt, der Platz gegenüber dem Schloss, ist nach wie vor ein provisorischer Parkplatz. Doch die Entwicklung der Stadt ruft mittlerweile breitere Aufmerksamkeit hervor. Gleich mehrere Investoren hätten an dem exponierten Grundstück bereits Interesse bekundet, sagt Bürgermeister Laesicke. "Irgendeinen Kasten" will er sich da aber nicht hinstellen lassen. Diese Zeiten seien vorbei. "Jetzt bestimmen wir die Regeln."

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