Der Tagesspiegel : Ordnung unterm Bett

Die Familienpartei erreichte 2,6 Prozent – und wurde damit zur stärksten unter den Kleinen

Claus-Dieter Steyer

Potsdam – Der Achtungserfolg der Familienpartei am Sonntag hat für deren Landeschef zuerst Folgen fürs häusliche Schlafzimmer. Dank der 2,6 Prozent Stimmen kann sich die Partei jetzt ein Büro leisten. „Ich schaffe nun Ordnung unterm Ehebett, wo sich Plakate und Prospekte stapeln“, sagt Dieter Gohlke. Einzelne hatten der 1981 in Bayern gegründeten Familienpartei sogar den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde zugetraut, aber dafür war der 100 Mitglieder starke Landesverband doch zu schwach. Der Wahlkampf beschränkte sich auf Plakate über den Wegzug vieler Familien, die Altersarmut, gegen einen Großflughafen Schönefeld.

Die rund 31000 Wählerstimmen verschaffen der Partei ein gutes finanzielles Polster: Rund 76000 Euro gibt es in den nächsten fünf Jahren als Wahlkampfkostenerstattung. Bislang koordinierte Dieter Gohlke die Arbeit von seiner Potsdamer Wohnung aus. Nun schaut er sich nach einem Büro um.

Der Vater von drei Kindern stieß erst vor anderthalb Jahren übers Internet auf die Partei. „Ich habe mich damals fürchterlich über eine Fernseh-Diskussion zur Familienpolitik geärgert“, erzählt der Angestellte beim Studentenwerk in Potsdam. „Alle etablierten Parteien beklagten die geringe Geburtenrate. Aber niemand bot Lösungen gegen das ‚Armutsrisiko Kind‘ an.“ Im Netz fand Gohlke die von einem Kinderarzt im Saarland geführte Familienpartei. Kurze Zeit später wurde im Familienkreis der Brandenburger Ableger gegründet – mit Ehefrau, Schwager, Schwiegervater und Schwiegermutter. Später kamen Freunde hinzu und bei der Kommunalwahl 2003 gelang zwei Mitgliedern auf Anhieb der Einzug ins Potsdamer Stadtparlament. Am Sonntag war die Partei in einigen Stimmbezirken sogar stärker als FDP und Grüne.

Dabei bergen die beiden wichtigsten Ziele durchaus Zündstoff: Zum einen soll jeder Mensch sofort nach der Geburt Wahlrecht besitzen. „Ein Baby kann natürlich noch nicht entscheiden, aber das nehmen ihm seine Eltern ab“, erklärt Gohlke. „Die Familien haben dann ein viel größeres Gewicht.“ Außerdem will die Partei ein „Erziehungsgehalt“ für Eltern einführen. Das würde Kindergeld und Sozialhilfe ablösen und finanzielle Sicherheit geben. Von diesem Gehalt will die Partei Sozialabgaben abziehen, um die Rentenansprüche zu erhöhen. Kinderlose müssten Abstriche bei der Rente hinnehmen. „Das würde Hartz IV überflüssig machen“, glaubt Gohlke, der auch die Montagsdemos in Potsdam organisiert. Er vergleicht die Familienpartei mit den Grünen in den achtziger Jahren. „Denen traute damals auch niemand etwas zu. Heute sitzen sie in der Regierung“, erinnert er. „Dort wollen wir auch hin.“

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