Orgel-Einweihung : Halleluja an der Havel

Sonntag um Zehn: Mit einem Gottesdienst wurde die Orgel der Sacrower Heilandskirche eingeweiht.

Benjamin Lassiwe
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Mit Seeblick. Zu Mauerzeiten hatte die Kirche am Havelufer weltweite Berühmtheit erlangt: Sie lag im Sperrgebiet, zugänglich weder...

SacrowBrausend und donnernd meldete sich das neue Instrument zu Wort. Die Noten von Johann Sebastian Bachs Orgelchoral „Allein Gott, in der Höh, sein Ehr“ waren die ersten Orgeltöne, die seit 48 Jahren in der Sacrower Heilandskirche erklangen. Mit einem Festgottesdienst unter Leitung des Potsdamer Generalsuperintendenten Hans-Ulrich Schulz feierten mehrere hundert Berliner und Brandenburger bei schönstem Ausflugswetter die Einweihung der neuen Orgel in dem direkt an der Havel gelegenen Gotteshaus. Doch die nach Plänen des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. für die Potsdamer Havelfischer erbaute Kirche war völlig überfüllt: Der bei weitem größte Teil der Gemeinde musste mit Stühlen und Bierzeltbänken am malerischen Flußufer vorlieb nehmen, während der Gottesdienst über Lautsprecher nach draußen übertragen wurde.

Das hatte Symbolkraft: Die Menschen saßen dort, wo vor 20 Jahren noch die Mauer stand. Während der deutschen Teilung lag das Gotteshaus im Sperrgebiet, zugänglich weder von West-Berlin noch aus der DDR. Am Heiligen Abend 1961 hatte der letzte Gottesdienst in der Kirche stattgefunden. Wenige Tage später hatten Grenztruppen der DDR den Innenraum der Kirche zerstört. Auch die Orgel wurde abgerissen. Selbst eine Außensanierung der Kirche geriet in den 1980er Jahren zum Politikum: Nur dank einer Initiative des Tagesspiegels und seines Verlegers Franz Karl Maier sowie des damaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Richard von Weizsäcker, kam es 1984 überhaupt zu Instandhaltungsarbeiten. Doch erst 1995 konnte auch der Innenraum der Kirche wiederhergestellt werden. Und seit 2002 bemühte sich der umtriebige Verein „ars sacrow“ unter Leitung seines Vorsitzenden Reinhard Beyer um den Orgelneubau. An dessen Erfolg geglaubt haben freilich die wenigsten. „Dass wir heute die Orgel einweihen können, übersteigt alles, was wir uns vorgestellt haben“, sagte Schulz in seiner Predigt. Er selbst habe nach Worten suchen müssen – und sei am Ende auf ein altes Kinderlied gestoßen: „Meinem Gott gehört die Welt.“

Doch noch ist das von der renommierten Dresdener Orgelbaufirma Wegscheider errichtete Instrument nicht völlig finanziert. Rund 200 000 Euro kostete die neue Orgel, dazu kamen etwa 40 000 für die Rekonstruktion des alten Orgelgehäuses. In Gottesdiensten und Konzerten, aber auch mit einer Spendenaktion, bei der Interessierte symbolisch eine Orgelpfeife kaufen konnten, hatten Gemeinde und Förderverein dafür gesammelt. „Uns fehlen noch die 40 000 Euro für die Rekonstruktion“, sagt Reinhard Beyer. Doch nach dem feierlichen Gottesdienst mit seiner reichen Kollekte und einem abendlichen Festkonzert mit Kantor Matthias Trommer ist er zuversichtlich, dass Kirchengemeinde und Förderverein auch diesem Ziel gestern ein ganzes Stück näher gekommen sind.

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