Ortstermin : Trörö, Trörö! Tosender Applaus.

Thorsten Metzner beobachtete beim „Politischen Aschermittwoch“ wie ein Altmeister die umstrittene Landesparteichefin Saskia Ludwig lobt.

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Und dann steht sie auf der närrischen Bühne, gelöst, triumphierend, selbstsicher. „Keine Angst, eine Sturzgeburt ist nicht zu erwarten!“, ruft Saskia Ludwig, 42 Jahre, Brandenburgs CDU-Landeschefin, im roten Kleid und sichtbar schwanger. Und sagt, dass ihr Geburtshilfe-Professor vor dem Auftritt eins geraten habe: „Streichen Sie die Begriffe Platzeck, Rot-Rot, Speer aus dem Sprachgebrauch!

Sie wirken sich nicht positiv auf die Entwicklung Ihres Kindes aus.“ Deshalb spricht sie dann statt vom Regierungschef nur noch vom „dekadenten Deichgrafen“. Trörö, Trörö! Tosender Applaus. Ja, man ist schwer in Stimmung bei diesem „Politischen Aschermittwoch“, der einiges über die Landes-CDU unter Ludwig sagt, am Mittwochabend in Doberlug-Kirchhain.

Gut sechshundert Anhänger sind im Saal, die meisten über 50, mehr Männer als Frauen. Schon das zweistündige Vorprogramm trifft den Nerv, samt Blasmusik, Freibier, tausend Liter, nackter Haut von spärlich bekleideten Funkenmariechen und einem zotenden „griechischen Finanzminister Dimitri“: „Ich will, dass alle Menschen bekommen Geld von Brüssel: die Pennerpension!“ Schenkelklopfen.

Aber nicht allein deshalb ist der nunmehr zehnte CDU-Aschermittwoch“, nun ja, speziell. Kurz zuvor hatte Ludwig mit einem im Rechtaußenblatt „Junge Freiheit“ platzierten Meinungsbeitrag, in dem sie als Mitinitiatorin des „Berliner Kreises“ aus Merkel-Kritikern die Bundes-FDP für tot erklärte, die feindliche Übernahme der liberalen Wähler beschwor, Irritationen bis ins Adenauer-Haus ausgelöst – und im Landtag selbst von Grünen und FDP eine gelbe Karte.

Freilich, die Unruhe darüber hat die Tiefe des Landes, die Basis kaum erreicht. Und nun tut hier als Hauptredner der CDU-Ehrenvorsitzende Jörg Schönbohm alles, damit das so bleibt. Er, 74 Jahre, Ur-Konservativer, selbst im „Berliner Kreis“, lobt Ludwig in den höchsten Tönen, für den klaren Kurs gegen SPD-Filz und Stasi-Erbe, für die neue Geschlossenheit, und minutenlang, für den Junge-Freiheit-Text.

Es sei „Pflicht“, sich um die FDP-Wähler zu kümmern, die sonst zum „rechten Rand“ abdriften würden. Und es sei Pflicht der CDU, Rot-Rot bei der Wahl 2014 zu beenden. Er sei sicher, so legt er weiter ins Zeug, dass Brandenburgs CDU den Atem haben werde, die „Sozis wegzufegen“ – wie in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, „alle weg!“ In Berlin und Schwerin? Nanu, aber solche Feinheiten interessieren hier niemanden. Für Saskia Ludwig, die Schönbohm als offenen Verbündeten hat, ist es ein guter Tag. Doberlug-Kirchhain, im tiefen Süden, wird übrigens seit 22 Jahren von der FDP regiert, worauf Bürgermeister Bodo Broszinski als Gastgeber spitz, aber mit Stil, hinwies: „Totgesagte leben länger.“

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