Der Tagesspiegel : Pack den Tiger in den Film

Eine besondere Schule: Bei Familie Harsch lernen wilde Tiere Benimm vor der Kamera

Matthias Matern

Sieversdorf - Wenn Amba nicht vor der Kamera steht, jagt er hinter allem her, was Beine hat. Niemand ist vor dem drei Monate alten Tigerbaby sicher. An Spielgefährten mangelt es dem angehenden TV-Serienstar auf dem Hof von Gerhard und Astrid Harsch nicht. In Sieversdorf, nahe Neustadt/Dosse gelegen, betreut das Ehepaar rund 200 Tiere. Nahezu alle sind Medienprofis: Löwen, ein schwarzer Panther, Schlangen, aber auch weniger exotische Lebewesen wie Fischotter, Raben und Hunde. Bei Produktionsfirmen sind die Tiere der Filmtierschule Harsch aus dem Nordwesten Brandenburgs gefragt. Tigerbaby Amba hat gerade erst wieder einen Dreh hinter sich. „Demnächst wird er in der ARD-Serie ,Tierärztin Dr. Mertens’ zu sehen sein“, erzählt Gerhard Harsch.

Die Liste der TV- und Spielfilmauftritte der Sieversdorfer Tiere ist lang. Bei Stefan Raab war Gerhard Harsch mit dem Löwen Massai zu Gast, in der ZDF-Telenovela „Wege zum Glück“ gehört Hund Barni fest zum Set und Wüstenbussard Harry spielt derzeit in „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ in der Berliner Schaubühne. Dazu kommen zahlreiche Aufträge für Werbespots. „Derzeit boomt die Branche wie verrückt“, freut sich Tiertrainer Harsch. „Wir hatten noch nie so viele Drehs wie in diesem Jahr, teilweise vier gleichzeitig.“ Für die Arbeit vor der Kamera werden aber nicht nur putzige Tigerbabys, furchterregende Löwen oder treue Hunde geordert. „Was die alles brauchen“, wundert sich Harsch, „sogar Frösche.“ Glücklicherweise kann die Filmtierschule je nach Wunsch mit heimischen Laub- oder mit südamerikanischen Pfeilgiftfröschen dienen.

Seit sechs Jahren leben Astrid und Gerhard Harsch mit ihren Tieren in Sieversdorf. „Wir haben uns hier von Anfang an gut aufgehoben gefühlt“, erzählt der 48-Jährige. Zuvor betrieb das Ehepaar seine Filmtierschule in einem Tierpark bei Gütersloh. Das Grundstück an der Ortsgrenze von Sieversdorf findet Harsch ideal. „Mitten im Wald, genügend Platz für Gehege und Terrarien und ohne direkte Nachbarn.“ Immerhin sei das Brüllen eines Löwen bis zu sieben Kilometer weit zu hören.

Willkommen ist der Minizoo mit Medienerfahrung in der Region vor allem auch, weil er zusätzlich Touristen anlockt. „Wir arbeiten eng mit Hotels zusammen, die ihre Gäste zu uns schicken“, bestätigt Gerhard Harsch. Immer sonntags ab 13 Uhr führen die Harschs Besucher über ihren Hof, präsentieren in einer kleinen Show einige ihrer Stars, zeigen Ausschnitte aus Produktionen, bei denen die Tiere mitgewirkt haben, und klären über Artenschutz und Haltung auf. An Wochentagen kommen vor allem Gruppen, Schulklassen etwa oder Senioren.

Einige der Showtalente aus Sieversdorf sind regelmäßig auch in Potsdam zu sehen. Seit zehn Jahren veranstalten die Harschs die Tiershow im Filmpark Babelsberg. Vor allem die Auftritte der Raubkatzen begeistern das Publikum.

Seinen Einstieg ins Filmgeschäft vor rund 20 Jahren verdankt Gerhard Harsch aber einem weitaus kleineren Tier, dazu achtbeinig und ohne jedes Kuschelpotenzial. Damals betrieb Harsch noch einen Reptilienladen in München. „Dieter Bohlen brauchte für ein Musikvideo eine Vogelspinne. Da haben sie mich gefragt. Ich konnte helfen, so hat alles angefangen.“

Näheres im Internet unter

www.filmtierschule-harsch.de

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