Pakistan : Armee verstärkt Offensive gegen Taliban

Die pakistanische Armee hat am Wochenende ihre Offensive gegen Taliban-Kämpfer im Swat-Tal fortgesetzt und konzentriert sich auf die Rückeroberung von Mingora, der größten Stadt in dem Gebiet.

Die Kämpfe zwischen Taliban und Armee haben zu einer riesigen Flüchtlingswelle geführt. Nach Angaben der Vereinten Nationen versuchen 1,17 Millionen Menschen, den Kämpfen zu entfliehen. Sie kommen zu den 565.000 Vertriebenen hinzu, die bereits bei früheren Kämpfen im Nordwesten des Landes ihre Heimatorte verlassen mussten. UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres sprach von einer der größten Flüchtlingsströme der jüngsten Zeit. Er warnte vor politischer Instabilität in Pakistan, wenn den Menschen nicht geholfen werde. "Es ist Zeit für massive Unterstützung, nicht für symbolische Gesten", mahnte er.

Die Kämpfe im Swat-Tal dauern schon gut eine Woche an. Zunächst hatte die Regierung versucht, mit Zugeständnissen auf die Islamisten zuzugehen. So durfte die Scharia, das islamische Recht, im Swat-Tal wieder angewandt werden. Die davon offenbar ermutigten Taliban drangen jedoch in weitere Gebiete vor, näherten sich der Hauptstadt Islamabad und kündigten die Ausdehnung ihrer Herrschaft auf ganz Pakistan an. Dies rief die Armee auf den Plan, die nach eigenen Angaben inzwischen mit etwa 15.000 Mann gegen rund 5000 Extremisten vorgeht. Mehr als 1000 Islamisten und etwa 50 Soldaten sollen bei den Kämpfen bislang getötet worden sein. Unabhängige Informationen aus dem Swat-Tal gibt es nicht mehr, da alle Reporter die Gegend verlassen mussten.

Der Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban wird von den meisten Pakistanern unterstützt, wenngleich sie skeptisch hinsichtlich der Allianz mit den USA sind. Belastet wird dieses Bündnis immer wieder durch US-Luftangriffe aus Afghanistan heraus auf Taliban-Kämpfer in Pakistan. Diese nutzen das Land als Unterschlupf und Ausgangsbasis für ihre Angriffe im benachbarten Afghanistan.

Am Samstag schlugen die USA wieder mit einer ferngesteuerten Drohne zu. Bei diesem Angriff wurden mehrere Extremisten getötet. Eine Rakete habe ein Haus, eine andere Rakete ein Fahrzeug in der paschtunischen Stammesregion Nord-Waziristan getroffen. Unter den Toten seien auch zwei Araber. Die USA haben wegen der sich verschlechternden Sicherheitslage in Afghanistan ihre Drohnenangriffe auf die Taliban in Pakistan verstärkt.

Pakistan erklärte öffentlich, diese Angriffe seien eine Verletzung seiner Souveränität. Sie würden die Bevölkerung gegen die Regierung aufbringen und den Extremisten Zulauf verschaffen. In US-Regierungskreisen hieß es, die Angriffe erfolgten auf der Grundlage einer Vereinbarung mit der pakistanischen Regierung. Diese sehe auch vor, dass Pakistan die Aktionen öffentlich kritisieren dürfe. (cl/Reuters)