Pakistan : Bhutto-Anschlag: Schuldzuweisungen allenthalben

Nach dem blutigen Anschlag auf die eben erst nach Pakistan zurückgekehrte Benazir Bhutto blühen bereits die Verschwörungstheorien. Während Bhuttos Ehemann den Geheimdienst verantwortlich macht, wittert Militärmachthaber Musharraf eine "Verschwörung gegen die Demokratie".

Islamabad      Einen Tag nach dem Attentat auf die aus dem Exil nach Pakistan zurückgekehrte Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto wird über die möglichen Hintergründe der Bluttat spekuliert. Der Ehemann Bhuttos, Asif Ali Zardari, macht nun einen der pakistanischen Geheimdienste für den Anschlag auf seine Ehefrau in Karachi verantwortlich. Zardari sagte dem Nachrichtensender Geo TV: "Das ist nicht das Werk von Militanten, sondern das dieses Geheimdienstes." Pakistanische Medien berichteten unter Berufung auf Bhuttos Volkspartei PPP, die Parteichefin und Ex-Premierministerin fordere nach dem Anschlag von der Regierung, den Chef des Intelligence Bureau (IB), Ijaz Shah, zu entlassen. Andere sehen wiederum muslimische Extremisten hinter der Bluttat.

Ihr Gegenspieler, Präsident Pervez Musharraf, verurteilte den Anschlag unterdessen als "Verschwörung gegen die Demokratie". Musharraf rief die Nation und insbesondere die Menschen in Karachi zur Ruhe auf. Er erklärte, seine Regierung werde alles unternehmen, um die Drahtzieher zu fassen und hart zu bestrafen. Er bete für die mehr als 130 Getöteten und für eine schnelle Genesung der über 500 Verletzten.

Bei dem Selbstmordanschlag auf den Konvoi Bhuttos waren am Freitag kurz nach Mitternacht mehr als 139 PPP-Anhänger getötet und über 500 verletzt worden. Rund 40 der Verletzten schwebten noch in Lebensgefahr, hieß es von den Behörden. Die Krankenhäuser in Karachi baten um Blutspenden.

Der Selbstmordattentäter hatte nach Behördenangaben zuerst eine Granate geworfen und danach Plastiksprengstoff gezündet, als sich eine größere Menschenmenge versammelt hatte. Bhutto war erst wenige Stunden zuvor unter dem Jubel von Hunderttausenden Anhängern aus dem Exil in ihre Heimatstadt Karachi zurückgekehrt und überlebte den Anschlag unverletzt. Muslimische Extremisten hatten seit längerem für den Fall ihrer Rückkehr mit Selbstmordanschlägen gedroht. In Reaktion auf die Bluttat verhängte die PPP eine dreitägige Trauer; während dieser Zeit sollen die Parteiflaggen auf Halbmast gesetzt werden. (mit dpa)