Pakistan : Blutige Anschläge auf Militärkonvois

Bei zwei Anschlägen auf pakistanische Soldaten sind am Wochenende mehr als 60 Menschen getötet worden. Die Attentate sind offensichtlich Racheakte für die Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad.

IslamabadBei einem Anschlag auf einen pakistanischen Militärkonvoi in der nordwestlichen Grenzprovinz des Landes haben zwei Selbstmordattentäter 20 Menschen mit in den Tod gerissen, darunter 14 Soldaten. Nach Darstellung der pakistanischen Polizei und der Armee waren zwei mit Sprengstoff beladene Wagen an einer Bushaltestelle in eine Militärkolonne gefahren. Gleichzeitig hätten die Attentäter eine Landmine gezündet. Dabei seien zwei Militärfahrzeuge und ein Bus zerstört worden. Viele der 39 Verletzten wurden in kritischem Zustand mit Hubschraubern in Krankenhäuser transportiert.

In einem anderen Teil der Nordwest-Provinz sprengte sich kurz darauf ein anderer Selbstmordattentäter in die Luft. Neben dem Angreifer starben bei dem Anschlag auf ein Anwerbungsbüro der Polizei in der Stadt Dera Ismail Khan nach offiziellen Angaben 14 Menschen, darunter fünf Polizisten. Dutzende seien verletzt worden.

Am Vortag waren bei einem ähnlichen Selbstmordanschlag auf einen pakistanischen Militärkonvoi in der nordwestlichen Grenzregion Wasiristan 24 Soldaten getötet und 29 verletzt worden. Auch dort hatten die Täter einen mit Sprengstoff beladenen Wagen in eine Fahrzeugkolonne des Militärs gefahren. Zwei Fahrzeuge des Konvois wurden durch die Explosion total zerstört.

Truppentransporte in Taliban-Gebiet

Mit den Truppentransporten sollten die Sicherheitskräfte in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan verstärkt werden. Diese gelten als Rückzugsgebiet militanter pakistanischer Islamisten und auch der afghanischen Taliban. In den vergangenen Tagen hatte es in der schwer zugänglichen Region wiederholt Angriffe und Anschläge gegeben.

Entgegen der bisherigen Darstellung sind bei der Erstürmung der Roten Moschee mindestens 15 Frauen und Kinder getötet worden. Bis zu 60 der bei der Militäraktion Getöteten seien militante Islamisten gewesen, der Rest Frauen und Kinder, berichtete die Zeitung "Dawn" unter Berufung auf Innenstaatssekretär Kamal Shah. Die Gesamtzahl der Toten beträgt nach Regierungsangaben 102. Darunter seien elf Soldaten. Augenzeugen hatten nach der Aktion von mehreren hundert Toten berichtet. Kritiker hatten der Regierung vorgeworfen, sie verschleiere die wahre Zahl der Opfer, um keine Empörung in der Öffentlichkeit auszulösen. (mit dpa)