Pakistan : Opposition macht Front gegen Musharraf

Eines hat Pakistans Präsident Musharaff geschafft - seine Gegner zu einen. Die lange verfeindeten Oppositionspolitiker Bhutto und Sharif haben ein Bündnis angekündigt. Tausende Studenten protestieren in Lahore gegen die Festnahme des Ex-Kricketstars und Oppositionspolitikers Khan.

Pakistan
Die Anhänger von Benazir Bhutto protestieren gegen den Hausarrest der ehemaligen Premierministerin. -Foto: dpa

IslamabadEx-Premierministerin Benazir Bhutto, die vor kurzem noch mit Musharraf die Macht teilen wollte, telefonierte heute mit ihrem Erzrivalen Nawaz Sharif und vereinbarte ein gemeinsames Vorgehen. US-Generalkonsul Brian Hunt suchte Bhutto in ihrer von der Polizei verbarrikadierten Residenz auf. In Lahore protestierten mehr als 3000 Studenten gegen die Festnahme des Ex-Kricketstars und Oppositionspolitikers Imran Khan.

Bhutto und Sharif, die beide zweimal Regierungschef Pakistans waren, hätten in einem Telefonat am Mittwoch vereinbart, ihre Differenzen zu überwinden, um einen "gemeinsamen Kampf" für einen Rücktritt Musharrafs zu führen, sagte der Chef von Sharifs Muslim-Liga, Raja Zafar-ul Haq. Sharif lebt nach einem gescheiterten Rückkehrversuch im Oktober wieder im Exil in Saudi-Arabien.

Opposition formiert sich

Bhuttos Partei PPP bestätigte das Telefongespräch. Die Oppositionspolitikerin, die seit Dienstag wieder unter Hausarrest stand, habe auch mit dem Chef der Islamisten-Koalition, Qazi Hussain Ahmad, telefoniert. Auch zu Imran Khan, einem ehemaligen Kricket-Star und Oppositionellen, habe sie vor dessen Verhaftung Kontakt aufgenommen. Khan wurde in der Nacht zum Donnerstag in ein Gefängnis in Lahore verlegt und soll sich wegen Aufrufs zum bewaffneten Aufstand und Volksverhetzung verantworten. Im Gespräch mit Bhutto hatte Khan sich der PPP zufolge für ein Zusammengehen offen gezeigt.

Eine Koalition der ansonsten zerstrittenen Opposition könnte Musharraf Experten zufolge ernsthaft in Bedrängnis bringen. Wenn es den rivalisierenden Parteien gelinge, "eine geeinte Front auf die Beine zu stellen, dann werden sie sehr erfolgreich sein", erwartete der Politologe Hasan Askari.

US-Generalkonsul bei Bhutto

Bhutto hatte vor ihrer Rückkehr nach Pakistan am 18. Oktober fast ein Jahr lang mit Musharraf über eine Teilung der Macht verhandelt. Ein Dekret des Militärmachthabers über eine Amnestie für Korruptionsvorwürfe aus den 90er Jahren ermöglichte der Politikerin erst die Heimkehr. Bhuttos Partei PPP ist die stärkste des Landes.

US-Generalkonsul Hunt begab sich in Bhuttos Residenz in Lahore und sprach zwei Stunden lang mit ihr. Im Anschluss verlangte er erneut die Aufhebung des Ausnahmezustands. Es sei wichtig, dass "Musharraf als Armeechef zurücktritt, der Opposition normales Arbeiten ermöglicht und rechtzeitig Parlamentswahlen abhält", forderte Hunt vor Journalisten.

Die Legislaturperiode des Parlaments und die Amtszeit von Musharraf liefen heute ab. Die Regierung kündigte an, Musharraf werde weiter seine Funktionen ausüben, damit das Amt in Erwartung der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes nicht vakant bleibe. Die Opposition hatte vor dem Gericht Einspruch gegen Musharrafs Wiederwahl vom 6. Oktober eingelegt, da er seine Uniform nicht abgelegt hatte. Kurz vor der Entscheidung des Gerichts verhängte Musharraf den Ausnahmezustand, entließ mehrere Richter und ernannte neue. (mit AFP)