Pakistan : Vermittlungsversuch in letzter Sekunde

Doch noch keine Stürmung: Politiker und islamische Gelehrte haben einen letzten Vermittlungversuch zwischen den Besetzern der Roten Moschee und den Regierungstruppen unternommen.

Rote Moschee
Schwer belagert: Die Rote Moschee in Islamabad. -Foto: dpa

IslamabadMit Blick auf die mögliche Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad hat die pakistanische Regierung letzte Vermittlungsversuche zur Befreiung der Frauen und Kinder unternommen. Staatschef Pervez Musharraf beauftragte Ex-Premierminister Chaudhry Shujaat Hussain mit der Leitung der Vermittlungsgespräche, in die auch islamische Gelehrte und Vertreter der Koranschulen einbezogen wurden. Im Grenzgebiet zu Afghanistan protestierten 20.000 Menschen gegen die seit vergangenem Dienstag andauernde Belagerung der Moschee durch Regierungstruppen.

"Es ist Zeit für schwierige Entscheidungen", kommentierte ein ranghoher Sicherheitsberater das Treffen Musharrafs mit Regierungsmitgliedern, Beratern und Vertretern der Sicherheitsdienste. Für den Staatschef habe die Befreiung der Frauen und Kinder, die in der Moschee festgehalten würden, weiterhin Priorität. Über mögliche Gegenleistungen wurde nichts bekannt.

Noch 300 Koranschüler in Moschee vermutet

In der Moschee wurden am sechsten Tag der Belagerung immer noch etwa 300 Koranschüler vermutet, die nach Angaben der Behörden von den Besetzern als menschliche Schutzschilde missbraucht werden. Aus Furcht vor einem Blutbad wurde das Gelände bislang nicht gestürmt. Ein Regierungsvertreter verwies auf abgehörte Gespräche, wonach unter den militanten Besetzern Jacken mit Sprengsätzen verteilt wurden.

"Wir tun unser bestes, um einen Kompromiss zu erzielen und die Krise auf friedliche Weise zu lösen", sagte Hanif Jalandri, dessen Organisation Wafaq-ul-Madaris die islamischen Schulen in Pakistan leitet. "Es gibt einige Vorschläge, und wir hoffen auf einen Erfolg." Auch der unabhängige pakistanische Rat der Ulemas wurde nach eigenen Angaben von der Regierung um Hilfe gebeten. "Gegen Mitternacht haben ranghohe Regierungsvertreter den letzten Kontakt aufgenommen, um Abdul Rashid Ghazi (den stellvertretenden Leiter der Roten Mosche) zur Aufgabe zu bewegen", sagte der Vorsitzende des Rates, Maulana Tahir Ashrafi.

Nach Angaben aus islamistischen Kreisen wurde auch versucht, eigentlich verbotene islamistische Gruppen in die Vermittlungsversuche einzubeziehen und so Druck auf Ghazi auszuüben. Zudem werde versucht, ein Telefonat zwischen Ghazi und seinem Bruder Abdul Aziz zu arrangieren, der am Mittwoch aus der Moschee geflohen war. Ein Geheimdienstvertreter versicherte, auf keinen Fall werde Ghazis Forderung nach einem freien Abzug erfüllt.

Hat Ghazi die Kontrolle verloren?

Nach Angaben des pakistanischen Religionsministers Ijaz ul Haq vom Sonntag hat Ghazi allerdings die Kontrolle über die Moschee verloren. Stattdessen hätten militante Extremisten die Macht auf dem Gelände übernommen. In der Moschee befänden sich "Terroristen, die innerhalb und außerhalb Pakistans gesucht werden". Bei den Auseinandersetzungen um die Moschee starben nach offiziellen Angaben bislang 24 Menschen. Dagegen sprechen die in der Moschee Verschanzten von rund 350 Toten auf dem Gelände.

Proteste gegen Belagerung

Bei ihrem Protestzug nahe der Stadt Khar riefen die Demonstranten, von denen einige Kalaschnikows und Raketenwerfer trugen: "Wir sind bereit zum Heiligen Krieg." Örtliche Kommandeure, die den radikalislamischen Taliban im Nachbarland Afghanistan nahe stehen, forderten die aufgebrachten Demonstranten auf, Rache für die Belagerung der Roten Moschee zu nehmen. "Wir bitten Allah, Musharraf zu vernichten, und wir werden Rache nehmen für die Gräueltaten, die in der Roten Moschee verübt wurden", sagte Maulvi Faqir Mohammed, einer der Anführer.

Im Nordwesten Paksitans erschoss eine Gruppe Bewaffneter am Sonntag drei Chinesen. Ein ranghoher Behördenvertreter in Islamabad äußerte die Vermutung, dass die Tat in Zusammenhang mit der Belagerung der Moschee stehen könnte. China hatte am Mittwoch Sympathie für den Kampf der pakistanischen Regierung gegen die in der Moschee verschanzten Islamisten gezeigt. (mit AFP)