Palästinenserkonflikt : Fatah bricht alle Kontakte zur Hamas ab

Kein Dialog und keine Treffen mehr: Das Zentralkomitee der Fatah von Palästinenserpräsident Abbas hat entschieden, sämtliche Kontakte mit der radikal-islamischen Hamas abzubrechen.

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Die Gewalt ist in den Palästinensergebieten allgegenwärtig. -Foto: AFP

RamallahNach ihrer militärischen Niederlage hat die Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas alle Kontakte zur radikal-islamischen Hamas abgebrochen. Das Zentralkomitee der Gruppierung habe dies bei einem Treffen in Ramallah entschieden, teilte die Fatah mit. Es solle keinen Dialog, keine Treffen und keinerlei Kontakte mit der Hamas mehr geben. Die Hamas hatte nach einer Woche blutiger Kämpfe im Gazastreifen die Kontrolle übernommen, nachdem sie eineinhalb Jahre zuvor die Parlamentswahl gewonnen und die Fatah von der Macht verdrängt hatte. Abbas hat inzwischen mit internationaler Rückendeckung eine Notstandsregierung eingesetzt.

Die arabische Zeitung "Al-Hayat" berichtete, Ägypten wolle seine diplomatische Vertretung angesichts der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen nach Ramallah im Westjordanland verlegen. Dies solle die Unterstützung Ägyptens für die von Abbas eingesetzte Notstandsregierung zum Ausdruck bringen. Zugleich wolle aber Kairo seine Beziehungen zur Hamas nicht abbrechen.

UN-Sicherheitsrat verurteilt Raketenangriff auf Israel

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte unterdessen den Raketenangriff militanter Palästinenser aus dem Libanon auf den Norden Israels scharf. Die Attacke vom Sonntag sei ein schwerwiegender Bruch des Waffenstillstands und ein Verstoß gegen die Vorgaben des Sicherheitsrats, erklärte das höchste UN-Gremium nach einer Sondersitzung am Montag in New York. Nachdrücklich begrüßten die 15 Ratsmitglieder die Ankündigung der Regierung in Beirut, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Am Sonntag hatten militante Palästinenser aus dem Libanon heraus zwei Katjuscha-Raketen auf die israelische Grenzstadt Kiriat Schmona abgefeuert.

Bei einer Schießerei zwischen Hamas-Mitgliedern und israelischen Soldaten am Grenzübergang Eres zum Gazastreifen wurde am Montagabend ein Palästinenser getötet. Sechs Palästinenser wurden verletzt, darunter zwei Kinder, wie eine israelische Armeesprecherin bestätigte. Nach Angaben von Augenzeugen hatten die Angreifer Soldaten mit Granaten angegriffen. Dabei seien zwei Palästinenser verletzt worden. Die Sprecherin sagte, die Soldaten hätten das Feuer erwidert. Dabei sei ein Palästinenser in das Kreuzfeuer geraten. Am Eres-Grenzübergang halten sich seit der Machtübernahme der Hamas hunderte Palästinenser auf, die den Gazastreifen verlassen wollen.

Olmert und Bush beraten über weiteres Vorgehen

US-Präsident George W. Bush will heute in Washington mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert über die Krise im Gazastreifen sprechen. Dabei sollte die Unterstützung der gemäßigten Notstandsregierung und das weitere Vorgehen im Gazastreifen im Mittelpunkt stehen. Nach Israel und der EU hatten sich am Montagabend auch die USA zur Wiederaufnahme direkter Finanzhilfen für die Palästinenser bereit erklärt.

Der ehemalige israelische Ministerpräsident Ehud Barak nahm heute seine Amtsgeschäfte als neuer Verteidigungsminister auf. Im Verteidigungsministerium in Tel Aviv fand eine militärische Übergabezeremonie in Anwesenheit seines Vorgängers Amir Perez statt, wie israelische Medien berichteten. Nach Aufnahme seiner Amtsgeschäfte begann er erste Beratungen über das weitere Vorgehen Israels angesichts der Ereignisse im Gazastreifen. (mit dpa)