Pandemie : Bund beansprucht eigene Reserve an Grippemitteln

Die Bundesregierung befürchtet für den Fall einer Grippepandemie, dass die Vorräte der Länder an antiviralen Mitteln nicht ausreichen könnten. Sie will daher eine eigene Bundesreserve anlegen.

BerlinDas Gesundheitsministerium beantragt eine außerplanmäßige Ausgabe von bis zu 90.143 Millionen Euro, um Medikamente wie Tamiflu und Relenza anzuschaffen. Die Mehrausgaben seien "sachlich unabweisbar" heißt es in der Vorlage. Zwar gebe es bei den Ländern eine umfangreiche Medikamentenbevorratung."Die aktuelle Pandemiegefahr führt jedoch zu der Einschätzung, dass eine ergänzende Bundesreserve dringend erforderlich ist."

Aufgrund der aktuellen Gefährdungslage und knapper werdender Medikamente müsse die Belieferung der Bundesreserve innerhalb der nächsten Tage mit den Herstellern vertraglich abgesichert werden. Die Verabschiedung eines zweiten Nachtragshaushalts für 2009 könne nicht abgewartet werden.

Da die Erstellung eines Impfstoffes mehrere Monate in Anspruch nehmen werde, müssten die geeigneten antiviralen Medikamente zu Beginn einer Pandemie verfügbar sein, sagte die Regierung. Die Bundesländer sind gemäß Pandemieplan dazu verpflichtet, für 20 Prozent der Einwohner Tamiflu zu bevorraten. Laut Robert Koch Institut ist diese Menge im Durchschnitt aller Bundesländer verfügbar.

Weltweit herrscht derzeit Alarmstimmung aufgrund der sich immer weiter ausbreitenden sogenannten Schweinegrippe. In Deutschland war in dieser Woche der zwölfte Fall des Virus A/H1N1 bestätigt worden. Nach der jüngsten Erhebung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bislang fast 6000 Menschen in 33 Ländern an der neuen Grippe erkrankt. 61 starben an der Infektion: 56 in Mexiko, drei in den USA und je einer in Kanada und Costa Rica. Derzeit gilt Stufe 5 der sechsteiligen Pandemiewarnung der WHO.(aku/Reuters/dpa)