Papstaudienz : Benedikt ruft zu Frieden in Nahost auf

Bei seinem von zahlreichen Demonstrationen begleitetem Italien-Besuch wurde Bush heute Papst Benedikt XVI empfangen. Die beiden streng gläubigen Männer sprachen über Abtreibung, "Homo-Ehe" und die Gewalt in Nahost.

RomPapst Benedikt XVI. hat bei einem Treffen mit US-Präsident George W. Bush im Vatikan zu verstärkten Friedensanstrengungen in Nahost aufgerufen. Nur auf dem Wege einer regionalen Verhandlungslösung könnten die Konflikte und Krisen in der Region überwunden werden. Ausdrücklich verwies er auf die Besorgnis erregende Lage im Irak sowie auf die "kritische Situation" der dortigen Christen, teilte der Vatikan mit. Der Amerikaner versicherte, dass die irakische Führung hart um eine Tolerierung der christlichen Minderheit im Irak ringe. Es war das erste Treffen der beiden Männer seit der Papstwahl vor zwei Jahren. Bush gilt als strenggläubiger Methodist.

Die 35 Minuten lange Privataudienz in der päpstlichen Privatbibliothek war der Höhepunkt des Bushbesuchs in der italienischen Hauptstadt. Zehntausende Menschen protestierten in Rom und anderen Städten gegen den Besuch des US-Präsidenten. Auf den Bahnhöfen in Venedig, Mestre und Padua, blockierten junge Leute zeitweilig den Zugverkehr. An diesem Sonntag reist Bush auf seiner Europareise nach Albanien weiter.

Thema "Verteidigung des Lebens"

Zugleich erkundigte sich der katholische Kirchenführer eingehend nach den beim G-8-Gipfel beschlossenen Hilfen für Afrika. "Es war ein Gipfel mit Erfolg", meinte Bush nach Angabe der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Vor allem für die Armen und Aids-Kranken in Afrika sei in Heiligendamm eine "starke Initiative" auf den Weg gebracht worden.

Nach Angaben des Vatikans ging es bei dem Gespräch auch um Themen wie "Verteidigung des Lebens", Familie und Ehe. Die beide konservativen Männer verbindet unter anderem die strikte Ablehnung der Abtreibung und der so genannten "Homo-Ehe".

Bei einem Gespräch mit Staatspräsident Giorgio Napolitano würdigte Bush nach Angaben des Weißen Hauses den italienischen Beitrag in den Krisenregionen Afghanistan und Libanon. Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi, den Bush ebenfalls traf, hatte nach seinem Wahlsieg im vergangenen Jahr die italienischen Truppen aus dem Irak abgezogen, die rund 1900 Soldaten in Afghanistan blieben aber trotz massiven Widerstands in seiner Mitte-Links-Koalition weiterhin dort stationiert.

Kurzbesuch in Polen

Bush sei "noch immer nicht 100-Prozent fit, aber er sieht sehr viel besser aus als gestern", berichtete die stellvertretende Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino. Der US-Präsident hatte zum Abschluss des G-8-Gipfels in Heiligendamm an einer Magenverstimmung gelitten.

Bei seinem Kurzbesuch in Polen hatten Bush und sein Kollege Lech Kaczynski am Freitagabend die amerikanischen Pläne für ein Raketenabwehrsystem in Mitteleuropa erörtert. Es gelte, durch den Bau des Systems in Polen und Tschechien den Schutz für Polen und Europa auszuweiten, damit die freien Nationen nicht erpressbar würden, sagte Bush am Ende des knapp vierstündigen Aufenthaltes vor Journalisten in Danzig (Gdansk). Die Vorschläge des russischen Präsidenten Wladimir Putin für eine Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr bezeichnete er als Gelegenheit für eine interessante Diskussion. Kaczynski sagte: "Wesentlich ist, dass Russland anerkennt, dass die Welt sich geändert hat, darunter auch das östliche Europa und unser Land." Anders als die tschechische Führung ließ Kaczynski eine Zustimmung Polens zu dem Raketenabwehrsystem offen.