Parchim : Aufschwung Fernost – die Chinesen sind da

Der Frachtflughafen in Parchim wurde gestern in Betrieb genommen Ein Investor will ein internationales Drehkreuz für Waren schaffen.

Rainer W. During
Parchim
Zaungäste. Noch geht es beschaulich zu am neuen Frachtflughafen in Parchim. Die Investoren, die den früheren Militärflugplatz für...Foto: dpa

Parchim - Firmen aus Berlin und Brandenburg können jetzt schneller Waren mit China austauschen – allerdings über Mecklenburg-Vorpommern. Gleich hinter der Grenze zu Brandenburg begann gestern in Parchim der Frachtflugverkehr mit China.

Während man in der Hauptstadtregion noch auf eine Passagierflugverbindung ins Reich der Mitte hofft – im kommenden Jahr könnte sie eingerichtet werden – hat Parchims Landrat Klaus-Jürgen Iridi schon ein paar Worte Chinesisch gelernt, um Jonathan Pang willkommen zu heißen. Der Besitzer der Logistikfirma Global Link hat den ehemaligen Militärflugplatz samt angrenzender Ländereien für 100 Millionen Euro gekauft. 2005 war die erste Privatisierung des ehemaligen Militärflugplatzes gescheitert, jetzt soll alles besser werden, vor allem Arbeitsplätze werden erwartet. Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) unterzeichnete gestern mit dem stellvertretenden Gouverneur der Provinz Henan, Shi Jichon, eine Erklärung über die Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen. Die Landeshauptstadt Schwerin (100 000 Einwohner) hat bereits eine Partnerschaft mit der Provinzhauptstadt Zhengzhou (sieben Millionen Einwohner) vereinbart.

Pang will den Flugplatz, für den es kein Nachtflugverbot gibt und der bereits von Lufthansa und Air Berlin zum Pilotentraining genutzt wird, zu einem Drehkreuz für den Luftfrachtverkehr zwischen Europa, Afrika und China machen. Eisenbahn- und Autobahnnähe sowie die schnelle Erreichbarkeit der Häfen Hamburg und Rostock seien ideal. Mit Unterstützung internationaler Partner sollen die Landebahn verlängert, ein neuer Tower und weitere Frachthallen gebaut und ein Gewerbepark errichtet werden. Hier könnten Waren aus China weiterverarbeitet werden und internationale Firmen Auto- und Flugzeugteile, Textilien und Lebensmittel produzieren. Und dann müsste auch der ICE zwischen Berlin und Hamburg in Ludwigslust stoppen, forderte Pangs Berater Klaus Grützmacher.

„Wenn nur die Hälfte von dem entsteht, was geplant ist, würden wir alle glücklich sein“, sagte Landrat Iridi. Die Arbeitslosenquote in seinem Kreis liegt bei 14 Prozent, rund 14 000 Arbeitnehmer pendeln nach Lübeck, Hamburg oder weiter. Während Minister Seidel von einem schrittweisen Ausbau spricht, bezeichnet der Präsident der Industrie- und Handelskammer, Jürgen Thiele, die Frachtflieger bereits als „Hansekoggen der Neuzeit“.

Auf die erste Landung von Flugzeugen aus dem fernen Osten warteten die zahlreichen Gäste, darunter allein drei offizielle Delegationen aus China, gestern allerdings vergeblich. Der Jumbojet war auf unbestimmte Zeit verspätet. Weil es in China noch nicht genug Fracht für Deutschland gab, musste die Maschine auf dem Weg von Zhengzhou nach Parchim in Almaty und Baku zwischenlanden, um mehr Güter aufzunehmen. Elektroteile, Textilien, Plastikspielzeug und ein Traktor gehörten zur Ladung, die unter anderem nach Amsterdam, Düsseldorf, Dublin, Bukarest und Lagos weitertransportiert werden sollte. Und weil es für den Rückflug überhaupt noch keine Ladung gab, sollte der Jumbo vor der Rückkehr nach China noch zur Aufnahme neuer Fracht nach Luxemburg fliegen.

Wenn den Firmen die neue Flugverbindung aber erst einmal bekannt ist, werde sich das aber ändern, sagte Investor Pang, der die Maschinen chartert und deren Ladekapazität weiterverkauft. Zwei wöchentliche Charterflüge soll es zunächst geben. Mittelfristig werden auch Passagierflüge nicht ausgeschlossen. Mit Lufthansa Cargo und anderen Airlines werde über Anschlussflüge zur Verteilung der Fracht verhandelt, sagte der Flugplatzbesitzer. Zu seinen ersten Handlungen gehörte es, den „Baltic Airport Schwerin- Parchim“ in „Parchim International Airport“ umzubenennen – weil die Chinesen Schwerin schlecht aussprechen könnten.

Die 100 Millionen Euro Kaufpreis sind indessen noch nicht auf dem Konto des Landkreises eingegangen. War zunächst von Mitte Juli die Rede, gibt es jetzt eine Zahlungspflicht bis zum 15. Dezember. Bevor das Geld fließen kann, muss die chinesische Zentralregierung dem Auslandsgeschäft zustimmen. Das sei, trotz der gegenwärtigen politischen Spannungen zwischen den beiden Regierungen, ein Routinevorgang, betonten gestern alle Beteiligten.

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