Der Tagesspiegel : Pariser Glanz für die Märker

Brandenburg und die Ile-de-France kooperieren: Die Potsdamer wollen französische Unternehmen hierher locken, die Franzosen Nachhilfe in Verwaltungsfragen

Constance Frey

Potsdam/Paris. Da scheinen sich zwei gefunden zu haben: Die Ile-de-France, die Region rund um Paris, und Brandenburg. Am 22. September haben beide erklärt, künftig zusammenzuarbeiten. Nun will man noch Polen einbinden und kommenden Mittwoch in Warschau erste konkrete Projekte besprechen. Gerhard Ringmann, Abteilungsleiter für internationale Beziehungen in der Potsdamer Staatskanzlei, sieht eine große Chance für Brandenburg „Die Region Ile-de-France ist die reichste Europas. Für uns ist diese Kooperation ein Türöffner zu starken wirtschaftlichen Partnern. Andere Bundesländer beneiden uns um dieses Abkommen.“ Die französischen Partner haben versprochen, für die Brandenburger Kontakte zu Unternehmen herzustellen. Nächstes Jahr wollen die Brandenburger nach Paris reisen, um französische Autohersteller, Biotechunternehmen und Firmen aus der Informationstechnologiebranche zu treffen.

Die Franzosen wollen von der Verwaltungserfahrung der Brandenburger profitieren. Denn seitdem der französische Premier Jean-Pierre Raffarin den Regionen mehr Eigenverantwortung geben will, schauen die französischen Nachbarn mit neuem Interesse auf den deutschen Föderalismus. „Natürlich haben beide Regionen nicht das gleiche Budget, aber Brandenburg hat ungleich mehr Kompetenzen als wir“, sagt Didier Jean, Referent für internationale Kooperation in der Region Ile-de-France. „Auch die Kooperation im Forschungsbereich ist von großer Bedeutung für uns.“

Die Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) plant gerade zwei Studiengänge, die Kurse auf deutsch, französisch, polnisch und englisch anbieten. Im Gespräch ist auch, dass eine französische Universität einen Lehrstuhl stiftet. Außerdem soll der Schüleraustausch zwischen Ile-de–France und Brandenburg intensiviert werden.

Beide Regionen wollen darüber hinaus mit der polnischen Region Masowien zusammenarbeiten. Welche „Schnittmengen“ man mit Polen habe, muss aber noch geklärt werden, sagt Gerhard Ringmann.

Bisher bestanden mit der polnischen Region jeweils bilaterale Beziehungen mit Brandenburg und Ile-de-France. Auch schon in der Vergangenheit gab es einige gemeinsame Projekte zwischen Brandenburg und seinem französischen Partner. Die Region Ile-de-France beteiligt sich am Institut für Deutsch-Französische Zusammenarbeit in Genshagen. Diesen Sommer hat sie ein deutsch-französischen Jugendcamp finanziert. Der brandenburgischen Staatskanzlei schwebt für die Zukunft ein deutsch-französisch-polnische Jugendworkshop über Grenzerfahrung vor, in Genshagen ist ein Seminar über kommunale Zusammenarbeit geplant.

Didier Jean ist optimistisch, dass die Verhandlungen am Mittwoch in Warschau erfolgreich sein werden: „Die trilaterale Kooperation ist ein origineller Ansatz. Wir sind uns bewusst, dass unser Vorhaben ziemlich anspruchsvoll ist. Aber ich bin sehr zuversichtlich.“

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