Parlamentswahlen in Osttimor : Ex-Präsident Gusmão ist Favorit

Der kleine Inselstaat Osttimor wählt an diesem Samstag ein neues Parlament. Als Favorit gilt die gerade erst gegründeten Partei des bisherigen Präsidenten Xanana Gusmão.

Sydney/DiliAm Samstag finden in Osttimor Parlamentswahlen statt. Die CNRT-Partei des bisherigen Präsidenten Xanana Gusmão gilt als Favorit. Der kleine Inselstaat Osttimor wählt an diesem Samstag ein neues Parlament. Als Favorit gilt die gerade erst gegründeten CNRT-Partei des bisherigen Präsidenten Xanana Gusmão. Mit ihrem Wahlsieg würde die aus dem langjährigen Befreiungskampf gegen die indonesischen Besatzer hervorgegangene Fretilin-Partei ihre absolute Mehrheit verlieren. Gusmão hat dem bitterarmen Land mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als 50 Prozent nach den ersten wirtschaftlich wenig erfolgreichen Jahren seit der Unabhängigkeit einen Neuanfang versprochen. Insgesamt sind in dem überwiegend katholischen Land 520 000 Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen.

Gusmão, ein Held des Unabhängigkeitskampfes, der der Fretilin schon vor vielen Jahren den Rücken kehrte, ist in Osttimor hoch angesehen. Er wurde nach der Unabhängigkeit 2002 zum ersten Präsidenten gewählt. Von diesem Amt trat er im Mai zurück, um sich mit seiner neuen Partei um Parlamentssitze zu bewerben. Das Präsidentenamt gewann in einer Wahl Anfang Mai der bis dahin amtierende Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger José Ramos- Horta. Er ist ein enger Freund Gusmãos.

Die Fretilin-Partei hatte die ersten Wahlen zur Unabhängigkeit mit 57 Prozent gewonnen und hat 55 der 88 Sitze im Parlament inne. Doch sind viele Menschen enttäuscht, weil die Partei es nicht schaffte, das Land voranzubringen. Erst im vergangenen Jahr brachen schwere Unruhen aus. 100.000 Menschen wurden vertrieben und kamen in Flüchtlingslagern unter. Die Regierung musste australische Truppen rufen, um Recht und Ordnung wieder herzustellen. Der damalige Fretilin-Ministerpräsident musste zurücktreten.

Unterdessen kündigte das Welternährungsprogramm (WFP) an, seine Nahrungsmittelhilfe für die Dürre-Opfer in Osttimor auszuweiten. Die anhaltende Dürre habe das Nahrungsangebot in weiten Teilen des Landes eingeschränkt. Jeder fünfte Einwohner könnte auf Grund der Ernteeinbrüche bald auf Nahrungshilfe angewiesen sein, wie eine aktuelle Studie belege. (mit dpa)