Parteiaustritt : Schlachter folgt auf Metzger

Der Ofen ist aus: Grünen Finanzexperte Oswald Metzger verlässt nach gut 20 Jahren seine Partei. Die Mitglieder der Grünen sparen nicht mit Kritik an seinem Austritt. Ein Nachfolger steht bereit und für die Zukunft hat Metzger bereits konkrete Pläne.

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Oswald Metzger: Auf zu neuen Ufern. -Foto: dpa

StuttgartEinen raschen Wechsel zu einer anderen Partei schloss der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Metzger aus. Sein Parlamentsmandat will er innerhalb eines halben Jahres niederlegen. Bis dahin bleibt Metzger nach eigenen Worten fraktionsloser Abgeordneter. Sein Nachfolger im Landtag wird Eugen Schlachter. Der Vorstandssprecher einer Raiffeisenbank in Oberschwaben war bei der Landtagswahl Ersatzbewerber im Wahlkreis Biberach.

Metzger hatte seit langem vor einem Linksruck seiner Partei gewarnt und wiederholt mit Rückzug gedroht. Der Beschluss des Grünen-Bundesparteitags am vergangenen Wochenende für eine Grundsicherung sei der Schlusspunkt gewesen, sagte er: "Es hat über die letzten Jahre einen Entfremdungsprozess persönlich und programmatisch gegeben."

Diese Entwicklung habe bereits im Jahr 2000 begonnen, als während der rot-grünen Koalition in Berlin der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die Gesundheitsreform stoppte. "Mit dem Bundestagswahlprogramm 2005 hatte ich schon solche Probleme, dass ich auch als Bundestagskandidat beim Parteitag damals als einziger dagegen stimmte", sagte Metzger.

"Wir hatten viel Ärger mit ihm"

Der baden-württembergische Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann bedauerte Metzgers Entscheidung. "Er war natürlich immer ein Querkopf und wir hatten viel Ärger mit ihm, aber in der Rückschau überwiegt sein Einsatz für die Grünen." Die Spitze der Südwest-Grünen quittierte den Rückzug dagegen kühl. "Reisende soll man nicht aufhalten", erklärten die Vorsitzenden Petra Selg und Daniel Mouratidis. In den vergangenen Wochen habe Metzger sich "zunehmend selbst ins Abseits gestellt". "Metzger hat mit seinem inszenierten Ausstieg auf Raten die Partei als Bühne für seine Selbstdarstellung missbraucht und sich so selbst isoliert", sagte Mouratidis.

Metzger gehörte von 1994 bis 2002 dem Bundestag an und machte sich als Haushaltsexperte einen Namen. Im März 2006 wurde er in den Landtag in Stuttgart gewählt. CDU-Bundespolitiker und FDP-Chef Guido Westerwelle hatten in den vergangenen Tagen Interesse an einem Übertritt Metzgers angemeldet.

Zukunft in der Bundespolitik

Metzger sagte dazu: "Ich habe nicht vor, schnurstracks zu einer anderen Partei zu gehen." Zugleich betonte er: "Man wird in Deutschland nur etwas bewegen, wenn man in die Parteien geht." Seine Zukunft sehe er in der Bundespolitik. Einen Eintritt in die SPD, der er vor über 20 Jahren schon einmal angehört hatte, schloss er aus: "Nur Union und FDP kommen in Frage."

Die Südwest-CDU will Metzger nach den Worten von CDU-Landeschef und Ministerpräsident Günther Oettinger keine Posten oder Mandate anbieten. Bei der FDP wäre nach Angaben von Fraktionschef Ulrich Noll willkommen. "Die Tür bei den Liberalen ist offen - Angebote gibt es keine", sagte Noll. Die saarländische FDP-Landtagsfraktion gab unterdessen bekannt, dass Metzger am 13. Januar auf ihrem Neujahrsempfang in Lebach als Gastredner sprechen werde. (mit dpa)