Parteivorsitz : Wirbelt Pauli die CSU durcheinander?

Der Männerverein CSU und die Landrätin: Gabriele Pauli bringt die bayerische Landespolitik wieder einmal gehörig durcheinander. Sie will die Partei erneuern, sagt sie. "Nicht den Hauch einer Chance", lautet die Antwort von Innenminister Günther Beckstein.

Jörg Säuberlich[ddp]
Pauli_Zirndorf Foto: ddp
Gabriele Pauli sorgt für Aufruhr in der bayerischen Staatspartei CSU. -Foto: ddp

München/ZirndorfDie Kandidatur der Fürther Landrätin Gabriele Pauli für den CSU-Vorsitz heizt die Führungsdebatte in der Partei an. Der designierte bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) verstärkte sein Werben für den bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber. Pauli berichtete derweil von großer Unterstützung an der Parteibasis für ihre Bewerbung.

Beckstein sagte, die CSU befinde sich derzeit "in einer gewissen Unruhe". Huber habe "eher" als Bundesagrarminister Horst Seehofer die Möglichkeit, die Partei "wieder auf Linie" zu bringen. Schließlich sei Huber als früherer Generalsekretär in der CSU "sehr viel stärker verwurzelt" als Seehofer. Der Kandidatur Paulis sieht Beckstein gelassen entgegen. Er sei "überzeugt, dass Erwin Huber Parteivorsitzender wird und Frau Pauli da nicht den Hauch einer Chance hat". Es sei zwar "nichts Unanständiges, wenn sich zwei oder auch jetzt eine dritte Person um den Parteivorsitz bewerben". Der Innenminister fügte hinzu: "Aber Parteivorsitzender der CSU ist ein anspruchsvolles Amt, so dass das nicht allein unter dem Aspekt, jetzt muss mal irgendeine neue Frau her, vergeben werden kann."

Pauli forderte dagegen in Zirndorf, es müsse einen "Umbruch" in der CSU mit neuen Leuten und neuen Ideen geben. Sie habe aus der Bevölkerung bereits einen "ganzen Schwung" an Zustimmung bekommen - auch aus "der Mitte der Delegierten des Parteitags". Sie wolle die Tendenz stoppen, "dass immer mehr Leute aus der CSU rausgehen und sich anders orientieren". Pauli kritisierte, keiner der beiden bisherigen Bewerber um den CSU-Vorsitz sei für eine Erneuerung der Partei eingetreten. Auch hätten weder Huber noch Seehofer bislang gesagt, für welche Inhalte sie stünden. Dagegen werde sie selbst zusammen mit Mitstreitern "einige Eckpunkte formulieren" und vorlegen.

Opposition hofft zu profitieren

Die bayerische SPD hofft auf politischen Aufschwung durch die Kandidatur von Pauli. SPD-Landeschef Ludwig Stiegler sagte, die CSU spiele derzeit "ein Bauerntheater". An dessen Ende werde sich die CSU den Bürgern so gezeigt haben, "wie sie wirklich ist". Stiegler fügte hinzu: "Das wird die Menschen bereiter machen, der SPD zuzuhören - und darauf bereiten wir uns programmatisch vor." Bayerns SPD-Fraktionschef Franz Maget äußerte zwar Verständnis für das "Kopfschütteln" in der CSU über die Kandidatur von Pauli. In einem zentralen Punkt habe die Stoiber-Kritikerin aber uneingeschränkt Recht: "Mit einem Tandem Beckstein/Huber würde sich weder in der CSU noch in Bayern etwas zum Positiven ändern." Dies wäre vielmehr "eine Fortsetzung des Systems Stoiber, mit den alten Fehlern und der alten Selbstherrlichkeit". Maget fügte hinzu: "Hier hilft aber nicht eine selbst ernannte Jeanne d'Arc der CSU weiter, sondern ein Regierungswechsel mit der SPD."