Passionsspiele : Oberammergau setzt auf Dunkelheit

In einem Bürgerentscheid haben die Einwohner Oberammergaus jetzt endgültig entschieden, das weltberühmte Passionsspiel bis in die Nacht auszudehnen. Gegen das Konzept hatte sich vor allem unter den Hoteliers und Ladenbesitzern des Ortes Widerstand geregt.

Oberammergau
Die Mehrheit der Bürger stimmte für eine Ausdehnung des Spiels in die Abendstunden. -Foto: ddp

OberammergauNach wochenlangen hitzigen Debatten um die Verlegung des weltberühmten Oberammergauer Passionsspiels in die Nacht zeigten sich die Kontrahenten heute versöhnlich. Die Mehrheit der Einwohner des oberbayerischen Alpendorfes hatte am Sonntag entschieden, das weltberühmte Spiel vom Leiden und Sterben Jesu Christi 2010 bis in den späten Abend auszudehnen. "Am Ende zählt immer, dass wir alle die Passion spielen", sagte Spielleiter Christian Stückl. Genau darum gehe es jetzt. Stückl sieht die Entscheidung auch "als Vertrauensbeweis für mich" und für sein Anliegen, das Spiel immer weiter zu entwickeln und dessen künstlerische Qualität zu steigern.

"Ich gehe davon aus, dass jetzt Ruhe ist", sagte Oberammergaus Bürgermeister und Befürworter des Nachtspiels, Rolf Zigon (CSU). Nachtspielgegner Florian Streibl, Sprecher des Bürgerbegehrens, zeigte sich als fairer Verlierer. "Wir wollen jetzt, dass alle zusammenarbeiten für die Passion", sagte der Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl (CSU).

Alle zusammen für die Passion

Am Mittwoch will der Gemeinderat den Bürgerentscheid offiziell bestätigen. Die Organisatoren können dann ihre wegen des Bürgerentscheids unterbrochene Arbeit an der Informationsbroschüre wieder aufnehmen, die im Oktober versendet werden soll. Im Januar 2008 startet der Kartenverkauf. Die alle zehn Jahre aufgeführten Passionsspiele gehen auf ein Pestgelübde von 1633 zurück. Sie bescheren der Gemeinde jeweils einen zweistelligen Millionengewinn.

Mit dem Bürgerentscheid stimmten die streitbaren Bewohner des Dorfes wieder einmal über die Zukunft ihres Passionsspiels ab, seit Einführung des basisdemokratischen Votums in Bayern zum nunmehr fünften Mal. Es ging diesmal um die Uhrzeiten für die gut hundert Aufführungen mit zusammen einer halben Million Zuschauer. Regisseur Stückl wollte das Spiel in den späten Abend ausdehnen, während es bisher bereits am Nachmittag zu Ende ging. Nachts könnten etwa bei der Kreuzigung spezielle Lichteffekte genutzt werden, argumentierte der 45-Jährige.

Der Gemeinderat hatte Stückls Konzept voriges Jahr bereits abgesegnet. Doch dann regte sich Widerstand. Etliche Hoteliers, Gastwirte und Besitzer von Andenkenläden sind gegen das Nachtspiel, weil sie bei einem späteren Beginn Einbußen oder Mehrarbeit für ihre Betriebe befürchten. (mit dpa)