Der Tagesspiegel : Pasta la vista!

Sabine Heymann

Zu Recht wird Italien mit einer Küche identifiziert, die in ihrer genialen Schlichtheit zum kulturellen Erbe der Nation gehört wie Verdi-Opern und die wie keine andere global assimiliert worden ist. Die cucina italiana war lange eine Fusionsküche mit arabischen, spanischen und französischen Einflüssen. Politische Gemengelagen und Klassengegensätze bestimmen ihre Geschichte.

Ein erster Kanon „nationaler“ Gerichte wird erst nach dem Risorgimento (1860) für die Hotel-Gastronomie aufgelegt. Doch gibt es sie überhaupt, die italienische Küche? Oder ist sie nur die Summe regionaler Produkte und Rezepte eines bis heute von Lokalpatriotismen geprägten Landes?

Wie ein roter Faden zieht sich diese Frage durch Peter Peters lesenswerte „Kulturgeschichte der italienischen Küche“, die eine Antwort in der umfassenden italienischen „Speisementalität des virtuosen, ja lustvollen Maßhaltens“ findet. Alles was Sie schon immer über die italienische Küche wissen wollten, steht in diesem elegant geschriebenen Buch, das man chronologisch lesen kann, von den Ursprüngen vor 2500 Jahren im großgriechischen Sizilien über die cucina nazionale des Duce bis zu Italy worldwide. Es bietet sich aber auch zum Herumschmökern an, als Kochbuch oder Nachschlagewerk: Vom Olivenöl bis zum Caffè, über Pizza, Pesce und Gelato, enthält es eine kulturhistorische Produktkunde, inklusive einem Extrakapitel über die Pasta und ihre Herkunft. Sabine Heymann

Peter Peter: Kulturgeschichte der italienischen Küche. C.H. Beck, München 2007. 183 Seiten, 19,90 €.