Der Tagesspiegel : Paul Newmans Team gibt Vollgas

Bei der Champ-Car-Serie auf dem Lausitzring startet auch der Rennstall des Hollywoodstars. Jubel für Alex Zanardi

Claus-Dieter Steyer

Klettwitz. Paul Newman auf dem Lausitzring? Die Lokalzeitung aus dem südbrandenburgischen Senftenberg hatte mit ihrer Meldung die Gerüchteküche angefacht. Der Hollywoodstar hätte dem Gastspiel der amerikanischen Champ-Car-Serie auf der 150 Kilometer südlich von Berlin gelegenen Rennstrecke zweifellos ein Glanzlicht gegeben, vielleicht das einzige. Dabei schien die Vermutung, Newman könne einen Abstecher in die ostdeutsche Provinz machen, lange Zeit gar nicht so aus der Luft gegriffen. Schließlich besitzt er eines der 13 Rennteams, genauso wie der Entertainer David Letterman. Doch auf eine Nachfrage in der Box des Newman-Teams gibt es nur energisches Kopfschütteln: Mister Newman kommt nicht.

So konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der vielleicht 10 000 Besucher des Trainings und des Rahmenprogramms am gestrigen Sonnabend auf einen weiteren Mann, der ebenfalls nicht auf der Startliste stand. Alex Zanardi, der bei der ersten Auflage der amerikanischen Formel-1-Variante im September 2001 nach einem Crash beide Beine verlor. Viele Besucher an der Strecke waren begeistert vom Lebensmut des so schwer verunglückten Rennfahrers. Musste Alex Zanardi doch in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 15 Operationen überstehen und bekam fünf Liter Spenderblut.

Vorsichtig auf seine Krücken gestützt ging Alex Zanardi vor der Haupttribüne entlang über die Rennpiste zu seinem umgebauten Wagen. Er will am Sonntag einige Runden drehen. Viele Menschen hatten Plakate für ihn gemalt, und auf einem stand in großen Buchstaben zu lesen: „Welcome back, Alex“. Später gab Alex Zanardi dann wegen der vielen Nachfragen doch noch eine Autogrammstunde.

„Es gibt leider keinen deutschen Fahrer im Feld“, sagt Renn-Fan Jürgen Husen aus Jüterbog. „Das schränkt das Vergnügen doch etwas ein.“ Niemand kennt die einzelnen Piloten. Andere Zuschauer störte das nicht. „Hauptsache, es dröhnt richtig und das Rahmenprogramm stimmt“, meint Mike Fröhlich aus Finsterwalde. „Das reicht schon für meine Begeisterung.“ Doch während des Trainings waren solche Gespräche unmöglich. Die Autos fahren bis zu 350 Stundenkilometer schnell. Der Lärm der Motoren dröhnte überall und noch Hunderte Meter weiter war das Rennen zu hören.

Doch nur erstaunlich wenige Menschen schützen ihre Ohren mit Ohrstöpseln. „Ich habe in den ersten zwei Stunden gerade mal 20 Stück verkauft“, sagt die junge Frau im Shop für allerlei Renn-Utensilien. Viel besser liefen die Geschäfte auch nicht bei den fliegenden Händlern. „Dabei sind die zwei Euro hier für die Stöpsel wirklich eine lohnende Ausgabe“, sagt ein Profi. Vielleicht bietet sich bei dem heute um 14 Uhr beginnenden Hauptrennen schon ein anderes Bild. Da werden rund 50 000 Zuschauer aus ganz Deutschland und aus angrenzenden Ländern erwartet. Die ARD überträgt live ab 15.15 Uhr.

„Kein echter Motorsportfreund setzt sich ohne Ohrschutz an die Strecke – höchstens beim ersten Mal“, sagt ein überzeugter Fan, der aus Rüdesheim angereist ist. Er wohnt seit Donnerstag auf dem Campingplatz , um keine Minute vom Training zu verpassen. Er selbst genoss gestern am Trainingstag vor allem das reichhaltige Rahmenprogramm. Und da wurde fast alles geboten: von amerikanischen Speisen bis zum Striptease von Tänzerinnen aus Brandenburg.

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