Der Tagesspiegel : PDS-Landesvorsitz: Ralf Christoffer im Gespräch

Warum wollen Sie auf dem PDS-Wahlparteitag im Febr

Der PDS-Wirtschaftsexperte Ralf Christoffers gilt als "Realo" in der Brandenburger PDS. Selbst CDUWirtschaftsminister Wolfgang Fürniß schätzt den 44jährigen Landtagsabgeordneten als kompetenten Fachmann. Thorsten Metzner sprach mit Christoffers über seine überraschende Kandidatur für den PDS-Landesvorsitz und das künftige Profil der PDS.

Warum wollen Sie auf dem PDS-Wahlparteitag im Februar 2001 gegen die Landesvorsitzende Anita Tack antreten?

Es ist keine kurzfristige Entscheidung, sondern das Ergebnis längerer Überlegungen über das künftige Profil der Brandenburger PDS. Ich verhehle nicht: Dass sie jetzt abgeschlossen waren, hat mit der laufenden Personaldebatte zu tun, die ich nicht angezettelt habe

Die PDS-Landesvorsitzende Anita Tack kritisiert, dass Sie das im Landesvorstand vereinbarte Verfahren gebrochen haben.

Ich will das nicht kommentieren. Nur so viel: Einen solchen Beschluss hat es auf der Sitzung des Landesvorstandes nicht gegeben. Auf diese Ebene möchte ich mich nicht begeben. Ich will eines vermeiden: Institutionelle Befindlichkeiten sollten nicht Ausgangspunkt sein, Kandidaturen zu bewerten.

Droht der PDS durch die Kampfkandidatur eine Zerreißprobe? Wäre es nicht besser, den Wahlparteitag vorzuverlegen?

Das ist nicht notwendig und wäre auch schwierig, mit der Satzung in Einklang zu bringen. Ich gehe nicht davor aus, dass es zu einer Zerreißprobe kommt. Dass sich mehrere Persönlichkeiten zur Wahl stellen, ist schließlich ein normaler demokratischer Vorgang. Auch wenn es ein bißchen zurückliegt: Die Brandenburger PDS hat damit Erfahrung. Ich darf daran erinnern, dass es bei der Wahl des ehemaligen PDS-Vorsitzenden Helmut Markov sogar mehrere Gegenkandidaten gab. Das hat der Demokratie in der PDS nicht geschadet. Die Diskussion über Inhalte und Personen kann auch eine Chance für die PDS sein, ihr politisches Profil zu schärfen.

Was wollen Sie anders machen als die Amtsinhaberin?

Das ist nicht mein Ansatz. Ich möchte sagen, was meine Vorstellungen sind. Die Situation ist vergleichbar mit der Zäsur von 1989/1990: Die Partei muss ihren Gründungskonsens fortschreiben. Diese Klammer für die inhaltlichen Strömungen und regionalen Positionen muss in einer breiten Debatte in der Partei gefunden werden. Klar ist, dass es zehn Jahre nach der Einheit ein bundesdeutscher Ansatz sein muss.

Kann man von einem Spagat zwischen Opposition und dem Drang zu Regierungsverantwortung in der PDS sprechen?

Wir stehen vor der Aufgabe, deutlich zu machen, dass die PDS nicht nur eine Gegenpartei ist - sondern für etwas steht. Dass sie eigene realpolitische Konzepte hat, um den Reformstau aufzulösen - das gilt auf Bundesebene wie für Brandenburg.

Dennoch, muss es nicht Ziel der PDS sein, nach 14 Jahren Oppposition nach der Landtagswahl 2004 das Land mitzuregieren?

Zunächst einmal: Opposition, Koalition und Tolerierungsmodelle - alles sind Instrumente, mit denen ein politisches Konzept vermittelt wird. Was klar sein muss: Dass die PDS bereit ist, Regierungsverantwortung zu übernehmen oder eine SPD-Regierung zu tolerieren. Unter einer Prämisse: Die PDS darf nicht beliebig werden, ihre politischen Grundprämissen aufgeben.

Wären Sie bereit, im Jahr 2004 als PDS-Spitzenkandidat ins Rennen zu gehen?

Diese Frage stellt sich nicht. Die politische Zukunft von Lothar Bisky ist im Jahr 2004 noch lange nicht beendet.

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